Serie: Lieder unseres Volkes: „Christ ist erstanden“ – Österlicher Siegesjubel


„Alle
Lieder singt man sich mit der Zeit müde, aber das ‚Christ ist erstanden‘
muss man alle Jahr wieder singen.“ Erstmals angestimmt wurde es
wohl um 1100.

 

Siegesliede

 

Auf dem Schlachtfeld von
Tannenberg (1410) stimmten
die Ritter des Deutschen
Ordens, als das polnisch-litauische
Königsbanner in ihre
Hände fiel, einen Sang an: „Christ
ist erstanden“, nicht ahnend, dassdieser Tag für sie in einer fürchterlichen
Katastrophe enden würde.
Für uns Heutige mag die Wahl
dieses Siegesliedes etwas merkwürdig
sein. Die Ordensritter waren
ausgebildete Krieger, die das
Mönchsgelübde abgelegt hatten Aus ihnen rekrutierte sich die
Herrschafts- und Verwaltungselite
eines staatsähnlichen Gebildes,
das bereits sehr moderne Züge
aufwies. Ein geistliches Lied im
Munde solcher Männer auf blutigem
Schlachtfeld ist nicht ungewöhnlich.
Jahrhunderte später
sang Friedrichs des Großen Heer
auf dem Schlachtfeld von Leuthen
den Choral „Nun danket alle
Gott“.
Der Sieger
über den Tod
Eine große Auswahl deutschsprachiger
Kirchenlieder gab es für die
Ritter des Deutschen Ordens 1410
noch nicht. Sie sangen das älteste
überlieferte geistliche Lied deutscher
Sprache, das für den Ostergottesdienst
im Wien des 13. Jahrhunderts
nachgewiesen ist. Die
Melodie findet sich erstmalig in einer
Handschrift des Stifts Klosterneuburg
bei Wien aus dem 14.
Jahrhundert.
Die Geistlichen, die seit der
christlichen Missionierung unserer
Vorfahren die Gottesdienste der
römischen Kirche in der lateinischen
Kultsprache zelebrierten,
vermittelten die Glaubensgeheimnisse,
insbesondere der Hochfeste
Weihnachten, Ostern und Pfingsten,
den ihnen anvertrauten Gläubigen
über die zusätzliche Verlesung
der Evangelientexte auf
Deutsch, die Predigt und die sonstige
Glaubensunterweisung in
deutscher Sprache ergänzten dies.
Ferner ließen die Kleriker, zunächst
ganz vereinzelt, Lieder in
deutscher Sprache als Teil der Festliturgie
zu. So bildete sich „Christ
ist erstanden“ als Gemeindegesang
aus.
Wenn die Ritter des Deutschen
Ordens dieses Lied auf dem
Schlachtfeld anstimmten, so hatten
sie Christus als einen Helden vor
ihrem inneren Auge: Jesus der Sieger
über Tod und Hölle. Noch in
der Barockzeit ist dieser heldische
Grundzug des Ostersiegers Jesus
in einem beliebten Kirchenlied zu
erkennen: „Das Grab ist leer, der
Held erwacht, der Heiland ist erstanden
…“ Selbst in der jüngsten
Revision des katholischen deutschen
Einheitsgesang- und -gebetbuches
ist dieses Lied nicht ausgeschieden
worden, während dies
dem bekanntesten Lied über unseren
deutschen Schutzpatron
Sankt Michael widerfuhr („Unüberwindlich
starker Held, Sankt
Michael …“).
Für das älteste deutsche Kirchenlied
ist Jesu Ostersieg ein Auferstehen
„von der Marter alle“.
Die Ordensritter, noch nicht wie
wir Heutige überflutet von zahllosen
akustisch-optischen Reizen
und Impulsen, hatten dabei von
den Martern noch recht konkrete
Vorstellungen. Von den Texten des
Neuen Testamentes her, die im
Gottesdienst vorgetragen wurden,
und von den Predigten der Geistlichen,
manchmal auch von eindrucksvollen
Kunstwerken im Kirchenraum
oder ihrer Umgebung
wussten sie, wie sehr Christus unter
den Qualen von der Gefangennahme
bis zum Kreuzestod gelitten
haben musste. Jesu Sieg aber
muss alle Christen mit Freude erfüllen:
„Des sollen wir alle froh
sein, Christ will unser Trost sein.“
Aus der Glaubensunterweisung
wissen Christen, dass Christi Opfertod
und Auferstehung den
sterblichen Menschen Anteil am
ewigen Leben ermöglicht. Darin liegt der Trost bei allen Übeln, die
den Menschen treffen können.
Erbarmen
und Lachen
Die Strophe schließt mit einer im
Sprachgebrauch der Deutschen etwas
abgeschliffenen griechischen
Formulierung: „Kyrieleis“. Dies ist
ein griechischer Sprachrest in der
(während der Antike) lateinisch
gewordenen Messliturgie der römischen
Kirche (Kyrie eleison:
Herr erbarme dich). Gemeint ist
im Kontext der Strophe wohl, Gott
möge den Trost gewähren, der aus
Christi Opfer erwächst. Auch andere
frühe geistliche Gesänge in
deutscher Sprache enthalten diese
Gebetsformel, solche Lieder werden
daher „Leisen“ genannt.
Eine zweite Strophe kommt hinzu:
„Wär er nicht erstanden, so
wär die Welt vergangen. Seit dass
er erstanden ist, so loben wir den
Herrn Jesu Christ.“ (Andere Fassung:
„… so freut sich alles, was
da ist“. Und wieder schließt sich
das „Kyrieleis“ an. Hier wird
Christus also als Retter der Welt
gefeiert. Grund genug für lauten
Osterjubel!
Dieser Jubel durchtönt die Liturgie
der christlichen Konfessionen
an den österlichen Feiertagen, er erklingt
in zahlreichen Osterliedern
und österlichen Orgelstücken – und
ganz besonders beeindruckend im
Osteroratorium und in den Osterkantaten von Johann Sebastian
Bach. Im Mittelalter waren die
Geistlichen gehalten, lustige „Märlein“
in die Osterpredigt einzuflechten,
um ein Ostergelächter (risus paschalis)
auszulösen: das Lachen
österlich befreiter Menschen.
Von Osterfreude geprägt sind
auch viele Volksbräuche, die allerdings
zu einem beträchtlichen Teil
vorchristlichen Ursprungs sind.
Hierhin gehört der Osterspaziergang;
eine herrliche literarische Gestaltung
dieses Brauchs ist in Goethes
„Faust I“ zu finden. Hierhin
gehören die Bräuche um die Ostereier
und gesegnete Osterspeisen.
Und nicht zu vergessen sind die
Feuer- und Lichtbräuche im kirchlichen
und im weltlichen Bereich.
Wenn das älteste deutsche
Osterlied auch in der zweiten Strophe
mit dem Kyrieleis schließt, so
deutet das an, dass die „erlöste
Christenheit“ (so in einem jüngeren
Osterlied) auch nach der Erlösungstat
Christi auf Beistand und
Hilfe des „Kyrios“, des Weltenherrschers,
angewiesen bleibt.
Pfingsten sendet Gott den Menschen
den Heiligen Geist, den lateinische
und deutsche Gesänge
als den „Tröster“ besingen. Vielleicht
nicht nur für die Menschen
des Mittelalters war das sehr abstrakt.
Da hielt man sich lieber, wie
im ältesten deutschen Osterlied,
an Christus als den Tröster, was
Strophe 1 betont.

 

aus NZ 17-14 — 20

Deutsche Dichter und Gelehrte: Karl Bröger (1886 – 1944): Deutschland stirbt nicht


 

Karl Bröger, Sturz und Erhebung – Gesamtausgabe der Gedichte, Eugen Diederichs Verlag, Weimar 1943, 243 Seiten.

Karl Bröger (1886 – 1944), in die Geschichte der deutschen Literatur eingegangen, aber heute fast vergessen, war ein deutscher Arbeiterdichter. Wilhelm Kusserow schrieb über ihn:

Karl Bröger wurde in Nürnberg am 10.3.1886 geboren und starb dort am 8.5.1944. Er war erst Fabrikarbeiter, fiel durch seine Gedichte auf, wurde dann Redakteur der Fränkischen Tagespost. Auch Erzählungen gehören zu seinem Werk Sein autobiographischer Roman „Der Held im Schatten“ (1920) zeigt den Weg eines Fabrikarbeiters zur Nation. Mit dem Erleben im 1. Weltkrieg befaßt sich „Bunker 17“. Auch zwei seiner vier Gedichtsammlungen kreisen um das Soldatentum: „Kamerad, als wir marschiert“ (1916) und „Soldaten der Erde“ (1918), beide aus unmittelbarem Kriegserleben geschaffen. Seine Person und sein Werk widerlegen eindrucksvoll die marxistische Geschichtslüge, daß der Arbeiter kein Vaterland habe und auch keines haben solle, da dies nur ein Begriff der Kapitalisten sei.

Zwei kleine Gedichte von ihm als Kostprobe:

HEIMAT

Morgensonne lächelt auf mein Land,
Wälder grünen her in dunklem Schweigen.
Jedem Schatten bin ich nah verwandt,
jedes Leuchten nimmt mich ganz zu eigen.

Land, mein Land, wie leb ich tief aus dir!
Löst sich doch kein Hauch von diesen Lungen,
den du nicht vorher und jetzt und hier
erst mit deinem Hauche hast durchdrungen.

Deine Berge ragen in mir auf,
deine Täler sind in mich gebettet;
deiner Ströme, deiner Bäche Lauf
ist an alle Adern mir gekettet.

Steht kein Baum auf deiner weiten Flur,
der nicht Heimat wiegt mit allen Zweigen;
und in jedem Winde läuft die Spur
einer Liebe, der sich alle neigen.

~~~

NICHTS KANN UNS RAUBEN

Nichts kann uns rauben
Liebe und Glauben
Zu unserm Land;
Es zu erhalten
Und zu gestalten,
Sind wir gesandt.

Mögen wir sterben,
Unseren Erben
Gilt dann die Pflicht:
Es zu erhalten
Und zu gestalten:
Deutschland stirbt nicht!

.

https://estomiles.wordpress.com/2017/08/21/karl-broeger-1886-1944-deutschland-stirbt-nicht/

Hoffmann von Fallersleben – Das Lied der Deutschen


Gegen den Strom

„Wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zur Quelle“

 

August Henrich Hoffmann by Carl Georg Christian Schumacher (1819)

Dichter und Sprachforscher

  • 1798

    2. April: August Heinrich Hoffmann (seit der Studienzeit mit dem Namenszusatz “von Fallersleben”) wird als drittes von fünf Kindern des Kaufmanns und Gastwirts Heinrich Wilhelm Hoffmann und dessen Frau Dorothea Eleonore Marie (geb. Balthasar) in Fallersleben geboren.

  • 1812

    Nach Abschluss der Volksschule in Fallersleben besucht Hoffmann das Pädagogium in Helmstedt.

  • 1814

    Wechsel zum Katharineum in Braunschweig, wo er die Reifeprüfung ablegt.

  • 1816

    Hoffmann beginnt zunächst in Göttingen mit dem Studium der Theologie und wechselt im Folgejahr zur Klassischen Philologie und Archäologie.

  • 1818

    Begegnung mit dem Sprachwissenschaftler Jacob Grimmin Kassel, der ihn zum Studium der deutschen Sprache und Literatur anregt.

  • 1819-1821

    Hoffmann folgt seinem Lehrer Friedrich Gottlieb Welcker (1784-1868) nach Bonn. Dort schließt er sich der burschenschaftlichen Bewegung an, was seine politischen Anschauungen nachhaltig prägt.
    Auf Vorschlag Welckers erhält er eine Anstellung als Bibliotheksassistent und widmet sich mehr und mehr dem Selbststudium.

  • 1821

    In der Bonner Universitätsbibliothek entdeckt er Bruchstücke von Otfried von Weißenburgs (um 790-875) Evangelienbuch. Im selben Jahr veröffentlicht er einen Aufsatz zu seinem Fund. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen folgen, darunter “Wilirams Übersetzung und Auslegung des Hoheliedes” (1827), “Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit” (1832) und “Deutsche Philologie im Grundriß” (1836).
    April-Oktober: Eine Reise nach Holland und Belgien lenkt sein Interesse auf die altniederländische und altflämische Dichtung, mit der er sich Zeit seines Lebens beschäftigt, unter anderem in der von 1830 bis 1862 fortgesetzten Quellenpublikation der “Horae Beligicae”.

  • 1821-1823

    Er lebt bei seinem Bruder in Berlin.

  • 1823

    Die Universität Leiden verleiht ihm die Ehrendoktorwürde.

  • 1823-1838

    Bibliothekar an der Universität in Breslau.

  • 1830

    Berufung zum außerordentlichen und ab 1835 zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Breslau.

  • 1840

    Der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe veröffentlicht Hoffmanns “Unpolitische Lieder”. Diese kritischen Gedichte zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland haben solchen Erfolg, dass schon 1841 eine Neuauflage und ein zweiter Band in Vorbereitung sind.

  • 1841

    Am 26. August 1841 dichtet er auf der damals britischen Insel Helgoland das “Lied der Deutschen” als Ausdruck der Sehnsucht nach nationaler Einheit. Das mit der Melodie der Kaiserhymne Joseph Haydns (1732-1809) unterlegte Deutschlandlied wird bereits am 1. September 1841 bei Hoffmann und Campe in Hamburg als Einzeldruck veröffentlicht.
    1922 erklärt Reichspräsident Friedrich Ebert das Lied zur deutschen Nationalhymne. Seit 1952 wird nur noch die dritte Strophe als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland gesungen.

    Deutschlandlied

    http://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutschlandlied.htm

  • 1842

    Auf Betreiben des preußischen Kultusministeriums wird Hoffmann von Fallersleben als “staatsgefährdend” aus dem Lehramt in Breslau entlassen. Ursache sind “politisch anstößige Grundsätze und Tendenzen”, die er in den “Unpolitischen Liedern” ausgesprochen haben soll sowie sein Eintreten für ein einheitliches Vaterland Deutschland. Nach seiner pensionslosen Entlassung verbringt Hoffmann von Fallersleben sechs ruhelose Jahre an ständig wechselnden Orten, da er sowohl in Preußen als auch im Königreich Hannover polizeilich ausgewiesen wird.

    Deutschlandlied

    Das Lied der Deutschen

    Deutschlandlied

    Komponist: Franz Josef Haydn (1732-1809)
    Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

    1. Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt,
    wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.
    Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt –
    Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!

    2. Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang,
    sollen in der Welt behalten ihren alten schönen Klang,
    uns zu edler Tat begeistern unser ganzes Leben lang –
    Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang!

    3. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland,
    danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!
    Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand –
    Blüh´ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland!

  • 1848

    An der Märzrevolution nimmt er nicht aktiv teil. Die Wahl in die Frankfurter Nationalversammlung lehnt er ebenso ab wie das Angebot, Mitarbeiter der neu gegründeten “Nationalzeitung” zu werden.
    Nach wiederholten Eingaben beim preußischen Ministerium wird er nach dem Amnestiegesetz vom 20. März 1848 rehabilitiert und erhält ein Wartegeld von 375 Talern als Pension zugesprochen.

  • 1849

    Heirat mit seiner 18jährigen Nichte Ida vom Berge. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor, von denen nur eines das erste Lebensjahr erreicht.

  • 1853

    Umzug nach Weimar, wo sich die Schriftstellerin Bettina von Arnim (1785-1859) vergeblich für ihn um die Vermittlung der Stelle eines Oberbibliothekars beim Groherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach bemüht.
    Ab 1854 gibt er gemeinsam mit dem Sprach- und Literaturwissenschaftler Oskar Schade (1826-1906) das “Weimarische Jahrbuch für deutsche Sprache, Literatur und Kunst” heraus, von dem bis 1857 sechs Bände erscheinen.
    In Weimar schließt er Freundschaft mit dem Komponisten und Pianisten Franz Liszt (1811-1886), der ihn Zeit seines Lebens unterstützt und ihm die spätere Anstellung in Corvey vermittelt.

  • 1860

    Herzog Viktor von Ratibor (1818-1893) überträgt Hoffmann von Fallersleben die Verwaltung seiner Schlossbibliothek in Corvey, die dieser bis zu seinem Tod ausübt.
    Seine Frau stirbt im Alter von 29 Jahren nach einer Totgeburt.
    In seinen letzten Lebensjahren ist er vornehmlich mit der Ausarbeitung seiner umfangreichen Autobiographie beschäftigt, die er unter dem Titel “Mein Leben” von 1868 bis 1870 in sechs Bänden publiziert.

  • 1874

    19. Januar: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben stirbt in Corvey.

Dorlis Blume
9. Dezember 2014

gr104142

https://www.dhm.de/lemo/biografie/biografie-august-heinrich-hoffmann-von-fallersleben.html

150 Jahre Deutschlandlied

Deutschlandlied - Text

http://www.deutsche-schutzgebiete.de/deutschlandlied.htm

————–

https://marbec14.wordpress.com/2015/10/03/hoffmann-von-fallersleben-das-lied-der-deutschen/comment-page-1/#comment-10992

26.08.1813 es starb den Heldentod Theodor Körner


(Karl) Theodor Körner

 

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Geboren am 23.9.1791 in Dresden; gestorben am 26.8.1813 in Rosenow bei Gadebusch/ Mecklenburg (gefallen)

Nach Privatunterricht und Besuch der Kreuzschule in Dresden begann Körner 1808 ein Studium an der Bergakademie in Freiberg, wandte sich aber dann vom praktischen Bergbau zu dessen Hilfswissenschaften; zugleich neigte er sich immer mehr der Dichtung zu. Mit Unterstützung des Vaters (der mit Friedrich Schiller befreundet war) gab er 1810 eine Gedichtsammlung heraus. Ab August 1810 studierte er in Leipzig Jura, mußte nach zahlreichen studentischen Händeln im März 1811 fliehen, versuchte in Berlin weiterzustudieren, wurde krank und gab das Studium auf. Der Vater schickte ihn im August 1811 nach Wien, wo er vor allem Geschichte studierte und Lustspiele und Dramen verfaßte. Im Januar 1813 wurde er als Dichter am Burgtheater angestellt. Im März trat er in Breslau in das Lützowsche Freikorps ein, wurde im Juni schwer verwundet, stieß aber Mitte August wieder zur Truppe. Nördlich von Schwerin wurde er tödlich verwundet.


Werke u.a.

  • 1810 Knospen (Gedichtsammlung)
  • 1811 Der Kampf mit dem Drachen (Singspiel)
  • 1811 Das Fischermädchen (Operntext)
  • 1811 Die Braut (Lustspiel)
  • 1811 Der grüne Domino (Lustspiel)
  • 1811 Hans Heilings Felsen (Erzählung)
  • 1811 Die Harfe (Erzählung)
  • 1812 Der Nachtwächter (Lustspiel)
  • 1812 Der Vetter aus Bremen (Lustspiel)
  • 1812 Toni (Drama)
  • 1812 Die Sühne (Drama)
  • 1812 Rosamunde (Drama)
  • 1812 Zriny (Drama)
  • 1813 Die Gouvernante (Lustspiel)
  • 1813 Joseph Heyderich oder deutsche Treue (Trauerspiel)
  • 1813 Zwölf freie deutsche Gedichte
  • 1814 Leyer und Schwerdt (Gedichtsammlung)

Im Projekt Gutenberg-DE vorhanden

Erzählungen:

Weitere Werke:


 

Serie: Lieder unseres Volkes: „Christ ist erstanden“ – Österlicher Siegesjubel


„Alle
Lieder singt man sich mit der Zeit müde, aber das ‚Christ ist erstanden‘
muss man alle Jahr wieder singen.“ Erstmals angestimmt wurde es
wohl um 1100.

 

Siegesliede

 

Auf dem Schlachtfeld von
Tannenberg (1410) stimmten
die Ritter des Deutschen
Ordens, als das polnisch-litauische
Königsbanner in ihre
Hände fiel, einen Sang an: „Christ
ist erstanden“, nicht ahnend, dassdieser Tag für sie in einer fürchterlichen
Katastrophe enden würde.
Für uns Heutige mag die Wahl
dieses Siegesliedes etwas merkwürdig
sein. Die Ordensritter waren
ausgebildete Krieger, die das
Mönchsgelübde abgelegt hatten Aus ihnen rekrutierte sich die
Herrschafts- und Verwaltungselite
eines staatsähnlichen Gebildes,
das bereits sehr moderne Züge
aufwies. Ein geistliches Lied im
Munde solcher Männer auf blutigem
Schlachtfeld ist nicht ungewöhnlich.
Jahrhunderte später
sang Friedrichs des Großen Heer
auf dem Schlachtfeld von Leuthen
den Choral „Nun danket alle
Gott“.
Der Sieger
über den Tod
Eine große Auswahl deutschsprachiger
Kirchenlieder gab es für die
Ritter des Deutschen Ordens 1410
noch nicht. Sie sangen das älteste
überlieferte geistliche Lied deutscher
Sprache, das für den Ostergottesdienst
im Wien des 13. Jahrhunderts
nachgewiesen ist. Die
Melodie findet sich erstmalig in einer
Handschrift des Stifts Klosterneuburg
bei Wien aus dem 14.
Jahrhundert.
Die Geistlichen, die seit der
christlichen Missionierung unserer
Vorfahren die Gottesdienste der
römischen Kirche in der lateinischen
Kultsprache zelebrierten,
vermittelten die Glaubensgeheimnisse,
insbesondere der Hochfeste
Weihnachten, Ostern und Pfingsten,
den ihnen anvertrauten Gläubigen
über die zusätzliche Verlesung
der Evangelientexte auf
Deutsch, die Predigt und die sonstige
Glaubensunterweisung in
deutscher Sprache ergänzten dies.
Ferner ließen die Kleriker, zunächst
ganz vereinzelt, Lieder in
deutscher Sprache als Teil der Festliturgie
zu. So bildete sich „Christ
ist erstanden“ als Gemeindegesang
aus.
Wenn die Ritter des Deutschen
Ordens dieses Lied auf dem
Schlachtfeld anstimmten, so hatten
sie Christus als einen Helden vor
ihrem inneren Auge: Jesus der Sieger
über Tod und Hölle. Noch in
der Barockzeit ist dieser heldische
Grundzug des Ostersiegers Jesus
in einem beliebten Kirchenlied zu
erkennen: „Das Grab ist leer, der
Held erwacht, der Heiland ist erstanden
…“ Selbst in der jüngsten
Revision des katholischen deutschen
Einheitsgesang- und -gebetbuches
ist dieses Lied nicht ausgeschieden
worden, während dies
dem bekanntesten Lied über unseren
deutschen Schutzpatron
Sankt Michael widerfuhr („Unüberwindlich
starker Held, Sankt
Michael …“).
Für das älteste deutsche Kirchenlied
ist Jesu Ostersieg ein Auferstehen
„von der Marter alle“.
Die Ordensritter, noch nicht wie
wir Heutige überflutet von zahllosen
akustisch-optischen Reizen
und Impulsen, hatten dabei von
den Martern noch recht konkrete
Vorstellungen. Von den Texten des
Neuen Testamentes her, die im
Gottesdienst vorgetragen wurden,
und von den Predigten der Geistlichen,
manchmal auch von eindrucksvollen
Kunstwerken im Kirchenraum
oder ihrer Umgebung
wussten sie, wie sehr Christus unter
den Qualen von der Gefangennahme
bis zum Kreuzestod gelitten
haben musste. Jesu Sieg aber
muss alle Christen mit Freude erfüllen:
„Des sollen wir alle froh
sein, Christ will unser Trost sein.“
Aus der Glaubensunterweisung
wissen Christen, dass Christi Opfertod
und Auferstehung den
sterblichen Menschen Anteil am
ewigen Leben ermöglicht. Darin liegt der Trost bei allen Übeln, die
den Menschen treffen können.
Erbarmen
und Lachen
Die Strophe schließt mit einer im
Sprachgebrauch der Deutschen etwas
abgeschliffenen griechischen
Formulierung: „Kyrieleis“. Dies ist
ein griechischer Sprachrest in der
(während der Antike) lateinisch
gewordenen Messliturgie der römischen
Kirche (Kyrie eleison:
Herr erbarme dich). Gemeint ist
im Kontext der Strophe wohl, Gott
möge den Trost gewähren, der aus
Christi Opfer erwächst. Auch andere
frühe geistliche Gesänge in
deutscher Sprache enthalten diese
Gebetsformel, solche Lieder werden
daher „Leisen“ genannt.
Eine zweite Strophe kommt hinzu:
„Wär er nicht erstanden, so
wär die Welt vergangen. Seit dass
er erstanden ist, so loben wir den
Herrn Jesu Christ.“ (Andere Fassung:
„… so freut sich alles, was
da ist“. Und wieder schließt sich
das „Kyrieleis“ an. Hier wird
Christus also als Retter der Welt
gefeiert. Grund genug für lauten
Osterjubel!
Dieser Jubel durchtönt die Liturgie
der christlichen Konfessionen
an den österlichen Feiertagen, er erklingt
in zahlreichen Osterliedern
und österlichen Orgelstücken – und
ganz besonders beeindruckend im
Osteroratorium und in den Osterkantaten von Johann Sebastian
Bach. Im Mittelalter waren die
Geistlichen gehalten, lustige „Märlein“
in die Osterpredigt einzuflechten,
um ein Ostergelächter (risus paschalis)
auszulösen: das Lachen
österlich befreiter Menschen.
Von Osterfreude geprägt sind
auch viele Volksbräuche, die allerdings
zu einem beträchtlichen Teil
vorchristlichen Ursprungs sind.
Hierhin gehört der Osterspaziergang;
eine herrliche literarische Gestaltung
dieses Brauchs ist in Goethes
„Faust I“ zu finden. Hierhin
gehören die Bräuche um die Ostereier
und gesegnete Osterspeisen.
Und nicht zu vergessen sind die
Feuer- und Lichtbräuche im kirchlichen
und im weltlichen Bereich.
Wenn das älteste deutsche
Osterlied auch in der zweiten Strophe
mit dem Kyrieleis schließt, so
deutet das an, dass die „erlöste
Christenheit“ (so in einem jüngeren
Osterlied) auch nach der Erlösungstat
Christi auf Beistand und
Hilfe des „Kyrios“, des Weltenherrschers,
angewiesen bleibt.
Pfingsten sendet Gott den Menschen
den Heiligen Geist, den lateinische
und deutsche Gesänge
als den „Tröster“ besingen. Vielleicht
nicht nur für die Menschen
des Mittelalters war das sehr abstrakt.
Da hielt man sich lieber, wie
im ältesten deutschen Osterlied,
an Christus als den Tröster, was
Strophe 1 betont.

 

aus NZ 17-14 — 20