Kategorie: Deutsche Geschichte

Geschichte historisch…1. WK, 07. 02. bis 22.02.1915…In der Winterschlacht in Masuren versuchte Hindenburg vor 100 Jahren nach der 2. nun die 10. russische Armee einzukesseln

Fast ein zweites Tannenberg

Winterschlacht in Masuren 7.2. bis 22.2.1915

Während die Tannenbergschlacht in Deutschland heute noch ein Begriff ist, scheint die sogenannte Winterschlacht in Masuren vom 7. bis 22. Februar 1915 total vergessen zu sein. Dabei waren ihre Auswirkungen mit den Ergebnissen des deutschen Sieges von Tannenberg durchaus vergleichbar.

Auch bei dieser Schlacht hatte General Paul von Hindenburg auf deutscher Seite den Oberbefehl inne. Neben dem Sieger der Schlacht bei Tannenberg, seiner 8. Armee, die mittlerweile von Otto von Below befehligt wurde, stand dem Oberbefehlshaber der gesamten deutschen Streitkräfte im Osten (OberOst) dies­mal auch das XXXX. Reserve-Korps unter dem General der Infanterie Karl Litzmann sowie die zwischenzeitlich neu aufgestellte 10. Armee zur Verfügung. Diese von Hermann von Eichhorn befehligte Armee bestand aus dem XXXVIII. und dem XXXIX. Reservekorps sowie dem aus Elsässern und Lothringern bestehende XXI. Armeekorps. Jenes Korps hielt man beim Einsatz im Westen für unzuverlässig, aber im Osten schlug es sich hervorragend.

Der Zar verlor
knapp 160000 Mann,
der Kaiser 16200

Die russische 10. Armee unter dem deutschbaltischen General Thadeus Baron von Sievers sollte – ähnlich wie bei Tannenberg 1914 die russische Narew-Armee – umfasst und vernichtet werden. Man bezweckte damit, den letzten Streifen ostpreußischen Bodens, auf dem die Russen immer hinter der ungefähren Linie Nikolaiken–Lötzen–Angerburg–Darkehmen–Gumbinnen standen, zu befreien. Daher rührt auch der Namen „Winterschlacht in Masuren“.

Zur Einkreisung dienten den Deutschen als linker Flügel Eichhorns 10. Armee mit ihrem Armee­oberkommando in Insterburg und als rechter Flügel Belows 8. Armee mit ihrem Armeeoberkommando in Sensburg. Der deutsche Angriff kam einem neuen russischen Großangriff auf Ostpreußen zuvor. Geheimhaltung und Spionageabwehr auf deutscher Seite funktionierten wie weiland bei der Schlacht von Tannenberg vorzüglich. Noch bevor die Russen losschlugen, ergriff Hindenburg die Initiative und ging in Richtung Osten vor. Hauptmann Hans von Redern schrieb über den Beginn der Offensive am 7. Februar 1915 und den herrschenden Geist in der deutschen Truppe:

„Wie üblich bezeichneten in Flammen aufgehende Ortschaften die Rückzugslinien des Gegners. Es war ein schauerlich-schönes Bild, wenn wir in die Dunkelheit hinein marschierten und rings am Horizont lohende Gehöfte und hell brennende Dörfer uns den Weg beleuchteten. Diesen Mordbrennern mußten wir an den Kragen! Das war der einzige Gedanke, der uns ohne Rast vorwärtstrieb.“

Das russische Hauptquartier des Kommandos des Obersten Befehlshabers (Stawka Werchownowo Glawnokomandujuschtschewo, kurz Stawka) Großfürst Nikolai Nikolajewitsch wie auch der zuständige Heeresgruppenbefehlshaber der Nordwest-Front, General Nikolai Russkij, schätzten den deutschen Angriff in seinen Dimensionen anfangs falsch ein. Man hielt alles nur für lokale Angriffsoperationen, die auf die kleine Festung Ossowitz und die Garnisonsstadt Kauen (Kowno, Kaunas) zielten. Erst zwischen dem 11. und dem 14. Februar 1915 wurde den Russen der ganze Ernst der Lage klar. Dies war kein lokaler deutscher Angriff, sondern eine auf die Einkreisung der 10. Armee zielende Operation, wobei deren rechte Flanke bereits zerschlagen war.

Nunmehr bemühte man sich – wie bei Tannenberg – zu retten, was noch zu retten war. Doch der beschleunigte russische Rückzug glich oft genug einer panischen Flucht. Die Spuren dieser Flucht beschrieb Redern wie folgt:

Die Russen hatten, „als sie sich verloren sahen, die Säcke“ mit Militärproviant „von den Fahrzeugen heruntergerissen, sie aufgeschnitten und alles wahllos auf die mit tauendem Schnee bedeckte Straße verstreut. Bis an die Knöchel watete man in Zucker, Hafer, Tee und Röstbrot. Beim Anblick der Bagagewagen bekam man einen Einblick, wie die Russen in Ostpreußen gehaust hatten. Alles was nicht niet- und nagelfest war, hatten sie mitgehen heißen: Damenhüte mit großen Federn, Damenkleider und Blusen, Nähmaschinen, Grammophone, aus dem Rahmen geschnittene alte Bilder und Stiche, Geweihe und Gehörne, Kunstgegenstände aller Art, Schreibmaschinen …“

Zwei russischen Armeekorps gelang es unter großen Verlusten zu entkommen, ein weiteres war zerschlagen und das XX. Armeekorps unter General Pawel Bulgakow kapitulierte. Die russische Armee büßte knapp 60000 Tote und Verwundete, etwa 100000 Gefangene und 300 Geschütze ein. Die deutschen Verluste betrugen rund 16200 Mann. Der deutsche Sieg besaß eine ähnliche Dimension wie der von Tannenberg. Der Befehlshaber der 10. Armee wurde abgesetzt und in die Wüste, dass heißt als Truppenbefehlshaber nach Sibirien, geschickt. Dort beging er kurz darauf Selbstmord. Auch der Befehlshaber der Nordwest-Front erhielt den blauen Brief. Ihren für das Frühjahr 1915 geplanten Vorstoß nach Ostpreußen führte die russische Armee nicht mehr durch. Stattdessen wurde sie im Mai 1915 von einer weiteren deutschen Großoffensive, dem erfolgreichen Frontdurchbruch bei Görlitz und Tarnau in Galizien, überrascht und weit nach Osten zurück­gedrängt.

Mit der Zerschlagung der einst so siegesgewissen 10. Armee in den Wäldern von Augustów, knapp hinter der ostpreußischen Grenze begannen die großen russischen Niederlagen des Jahres 1915, die letztlich den russischen militärischen und politischen Zusammenbruch 1917 einleiteten. Deshalb stellte die Niederlage der 10. Armee für die Russen ein großes Trauma dar und gehörte im Zeit­raum zwischen den beiden Weltkriegen zum Standardlehrprogramm der sowjetischen Militärakademien.

Jürgen W. Schmidt   Preußische Allgemeine Zeitung Ausgabe 07/15 vom 14.02.2015

Nicht umsonst sprechen manche von der Winterschlacht bei Lyck und Augustów

Das Hauptkontingent des russischen Heeres lag in Lyck, das seit dem 7. November 1914 zum dritten Mal besetzt war. Der deutschen Heeresführung war die Massierung der Russen in Lyck bekannt. Am 11. Februar 2015 begann unter dem Befehlshaber der 8. Armee, General Otto von Below, der Angriff auf Lyck. Die Russen hatten um die Kreisstadt herum, begünstigt durch die vielen Landengen zwischen den Seen, einen Verteidigungsring aufgebaut. Es kam zu heftigen Kämpfen mit großen Verlusten auf beiden Seiten. Auch zwischen dem Großen Sawinda-See und dem Wos­zeller See war acht Kilometer nordwestlich von Lyck eine Verteidigungssperre aufgebaut. Die Russen verteidigten sich tapfer. Vom zwei Kilometer westlich der Verteidigungssperre liegenden Grabnick aus beobachtete am 14. Februar Kaiser Wilhelm II. mit einem Scherenfernrohr die Kämpfe.

Nach der Beendigung dieses Krieges wurde dort ein Soldatenfriedhof mit dem sogenannten Kaiserstein errichtet. Der Friedhof besteht heute noch. Anstelle des „Kaisersteines“ ziert heute ein schlichtes Holzkreuz die Stelle der Beobachtung durch den Kaiser. Im Übrigen gibt es im Kreis Lyck mit ungefähr 30 so viele Soldatenfriedhöfe wie sonst nirgendwo. Der bedeutendste unter ihnen ist wohl der Friedhof mit den drei Kreuzen bei Bartossen, das „Masurische Golgatha“.

Gleichzeitig mit dem Angriff auf Lyck gelang es den deutschen Kräften, Lyck weiträumig zu umgehen. Der linke Flügel unter dem Befehlshaber der 10. Armee, General Hermann von Eichhorn, marschierte aus der Gegend um Gumbinnen in Richtung Suwalki. Der rechte Flügel unter dem Befehlshaber des XXXX. Reservekorps, General Karl Litzmann, marschierte aus der Gegend von Johannisburg auf polnischem Gebiet nahe der Reichsgrenze über Grajewo und Rajgrod in Richtung Augustów. Hier trafen sich beide Einheiten, die Einkreisung war vollendet.

Als die Russen nach den verlorenen Kämpfen um Lyck sich nach Osten zurückziehen wollten, tappten sie in eine Falle und wurden vernichtend geschlagen.

Lyck wurde am 14. Februar endgültig befreit. Kaiser Wilhelm II. besuchte am 16. Februar das stark zerstörte Lyck. Als Dank für die Befreiung wurden in Lyck Straßen umbenannt beziehungsweise neu benannt. Aus der Hauptstraße wurde die Kaiser-Wilhelm-Straße, aus der Bahnhofstraße wurde die Hindenburgstraße. In der Siedlung Sperlingslust wurde eine Straße nach General Litzmann benannt. Die Ziegeleistraße wurde in Morgenstraße umbenannt. Generalleutnant Curt von Morgen war als Befehlshaber des zur 8. Armee gehörenden I. Reservekorps auch an der Befreiung Lycks beteiligt gewesen. Das gleiche gilt für den Befehlshaber der zum I. Reservekorps gehörenden 2. Division, General Adalbert von Falk. Eine Falkstraße gab es aber schon in Lyck, die war nach dem gleichnamigen Vater und Kultusminister benannt. Dafür wurde Falk junior ebenso wie sein Vater und Hindenburg Ehrenbürger von Lyck. Gerd Bandilla

Die Reichsgründung am 18. Januar 1871 des Deutschen Reiches

Die Reichsgründung am 18. Januar 1871 durch die Proklamation Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser war der vorläufig abgeschlossene Prozeß zur Entstehung des Deutschen Reiches. Zeitgeschichtlich wurde es als das sogenannte Zweite Reich nach dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation bezeichnet.

 

Deutschland – Deutsches Reich

 

Die Kaiserproklamation zu Versailles am Reichsgründungstag, 18. Januar 1871; nachdem Otto von Bismarck die Proklamation vollbrachte, tritt Großherzog Friedrich von Baden nach vorn und bittet Wilhelm, seinen Schwiegervater, ein Hoch auf ihn aussprechen zu dürfen. Wilhelm gewährt ihm den Wunsch, woraufhin der Großherzog der gespannt wartenden Versammlung im Spiegelsaal die Worte entgegenschmettert: „Seine Kaiserliche und Königliche Majestät, Kaiser Wilhelm, lebe hoch!“ Dieser Ausruf ist von größter Bedeutung, denn der Großherzog umgeht damit die Problematik des Kaisertitels, denn es gab Differenzen ob „Kaiser von Deutschland“, „Kaiser der Deutschen“ oder „Deutscher Kaiser“. Nach diesem Ausruf erschallt sechsmal ein donnerndes Hoch der Anwesenden. Gleich danach – die Fahnen undStandarten der deutschen Fürstentümer wehen über dem Haupt des neuen Kaisers – stimmen die Anwesenden das „Heil Dir im Siegerkranz“ an, das die Funktion einer Nationalhymne im Kaiserreich übernehmen wird.

 

Die Bekanntmachung der Proklamation

Holger Strohm: Keine Schuld Deutschlands am 1.+ 2.WK

oder

 

Am 19.11.2018 veröffentlicht

Laßt Euch nicht bzgl. Atomkrieg in Angststarre versetzen! Nach meiner Überzeugung wird es NICHT zu einem Atomkrieg kommen, da die heute angesagte Technik ein ELEKTRO-MAGNETISCHER/ SKALARER / LASER/ PARTIKELSTRAHLEN-WAFFEN- Krieg ist! W.Altnickel Bei der 1. Bilderberger Konferenz der 50er Jahre wurde von künftigen SILENT WARS= STILLEN KRIEGEN gesprochen.

Geschichte: 19. Oktober 1813…Befreiungsschlacht bei Leipzig gegen Napoleon

Liebe Mitdenker, Freunde und Patrioten,

heute gedenken wir eines wahren Tags der Befreiung:
Am 19. Oktober 1813 haben die vereinigten Heere von Preußen, Rußland, Österreich und Schweden, unter dem Oberbefehl von Feldmarschall Schwarzenberg, die VÖLKERSCHLACHT bei Leipzig siegreich geschlagen, damit das Ende der napoleonischen Ausplünderung Europas eingeläutet und die deutsche Nation befreit!!!
Deutsche Patrioten wie Theodor Körner hatten den Traum, den gemeinsamen Kampf gegen die Fremdherrschaft zur Vereinigung der bis dahin zerstückelten deutschen Nation zu nutzen und die Volksverräter des Adels und deren Politparasiten, für die Komplizenschaft mit Napoleon und den Verrat am deutschen Volk abzuurteilen. 
Theodor Körner opferte sein junges Leben diesem Patriotismus im Kampf, als Mitglied des Freikorps der Lützower Jäger. Wir wissen, daß sich sein großer Traum bis heute nicht erfüllt hat. Die derzeit an der Macht befindliche Polit-Feudalkaste betreibt den aktiven Untergang unserer Kulturnation – und mehr als 60% der Bevölkerung, bestätigen die Legitimation dieses Regimes in dumpfer Verblödung und nach mehr als 70 Jahren Gehirnwäsche, in Schein-Wahlen. Armes, geliebtes Deutschland.
Zur Geschichte: Mitte Oktober 1813 hatte Napoleon all seine Truppen bei Leipzig zusammengezogen. Am 16. Oktober begann dort die große „Völkerschlacht“, die über das Schicksal Deutschlands und Europas entscheiden sollte. Mehrere hunderttausend Soldaten mit zehntausenden Pferden und über eintausend Kanonen standen sich gegenüber. 
Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege. Dabei kämpften die Truppen der Verbündeten gegen die Truppen Napoleon Bonapartes.[6] 
Mit bis zu 600.000 beteiligten Soldaten aus über einem Dutzend Ländern war dieser Kampf bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wahrscheinlich die größte Schlacht der Weltgeschichte. 
In dieser wichtigsten Schlacht des Befreiungskrieges gegen die napoleonische Unterdrückung brachten die verbündeten Heere Napoleon Bonaparte die entscheidende Niederlage bei, die ihn dazu zwang, sich mit der verbliebenen Restarmee und ohne Verbündete aus Deutschland zurückzuziehen.
In der Schlacht fanden rund 92.000 Soldaten  den Tod. Zum einhundertsten Jahrestag wurde 1913 in Leipzig das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal fertiggestellt, für jeden deutschen Patrioten ein Ort der Besinnung zur Einheit der Nation.

Oktober 1932: Die Geschichts-Not und die Gefahr der Barbarei…v. Prof. Dr. Eugen Rosenstock…Teil 1

Wissenschaft an der Wende

Die Geschichtsnot und die Gefahr der Barbarei

Oktober 1932

v. Prof. Dr. Eugen Rosenstock

Vor 130 Jahren hat Friedrich Schiller dem deutschen Volk die großen Ereignisse der europäischen Geschichte in seinen mächtigen Dramen lebendig gemacht. „Wallenstein“, „Don Carlos“, „Die Jungfrau von Orleans“ und „Wilhelm Tell“ – in ihnen ist die Geschichte erschlossen als sittliche Macht. „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“.

Als Professor der Geschichte hat Schiller aber auch den Anschluss an die wissenschaftliche Geeschichtsschreibung gefunden. Und selbst das große Publikum kennt seine Geschichte des Abfalls der Niederlande oder hat wenigstens davon gehört, dass er sein Wirken in Jena eröffnet habe mit einer großen Rede: „Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“

Weniger bekannt ist es aber, daß der Dichter nicht nur hinüber zum Geschichtsstudium die Brücke geschlagen hat, sondern dass er mit gleicher Kraft  an den Volksüberlieferungen hing. Und doch erklärt erst diese Seite seines Geistes die Volkstümlichkeit seines Schaffens. Eines seiner letzten Worte vor dem Sterben war der Wunsch:

„Gebt mir Märchen und Rittergeschichten; da liegt der Stoff zu allen Schönen und Großen.“

Das Wort in der Sterbestunde wiegt schwer. Also der Sage, der Lust an den geraunten und vererbten Geschichten räumte Schiller die gleiche Würde und Wichtigkeit ein wie dem reifen historischen Kunstwerk und dem ernsten Studium der Geschichte.

So umfaßt er die geschichtlichen Strömungen in all ihren verschiedenen Höhenlagen mit gleicher Inbrunst. Kann es da seinem Volk, dem Volk Schillers, je an Geschichtssinn mangeln?

Man sollte es nicht für möglich halten. Und doch ist heute deutlich ein Nachlassen der geschichtlichen Sicherheit zu vrspüren. Nicht nur der Deutschen, auch aller anderen Völker bemächtigt sich eine Unrast und Ungeduld. Sie scheinen sich losgerissen zu fühlen vom Mutterboden des großen Geschehens ihrer Ahnen.

Die alten Geschichtlichen Werte in Europa sind  bedroht. Schon spricht man von Einbruch der Barbarei in Europa. Barbaren aber sind eben geschichtslose Massen, geschichtslos gewordene Massen. Denn von Haus aus sind alle Menschen geschichtsgläubig und geschichtenfroh. Es ist also eine nachträgliche Errkrankung, wenn ihr Gedächtnis abstumpft, weil die Last der Erinnerungen mit dem eigenen Leben der Generation nicht mehr vereinbar zu sein scheint.

Aber die Erkrankung braucht vielleicht auch nur eine heilsame Erschütterung zu bedeuten, durch die neuer Geschichte Bahn gebrochen wird?

Das Verhältnis zwischen Sage und naiver Überlieferung, künstlerischer Erzählung der Vergangenheit und mühsamer Erforschung der Geschichte ist jedenfalls heute gestört.  Das Gleichgewicht in dem bei Friedrich Schiller diese drei Arten der Geschichte standen, ist verschwunden.

Das Volk raunt sich heute andere Geschichten zu, als die Schriftsteller gestalten; und die Schriftsteller gestalten nicht, was die Gelehrten erforschen. Dieser Riß zwischen 1. Mythos und Sage in den Massen, 2. Biographie und Erzählung unter den Gebildeten, 3. Forscherarbeit am Quellenstoff für die Gelehrten macht die Geschichtsnot unserer Tage aus.

Im Volk wird seit Jahrzehnten vom Christentum, vom Hakenkreuz, der Sachsenbekehrung, dem Bauernkrieg, dem Heiligen Römischen Reich, von den Juden, den fremden Rassen, den Franzosen, dem Papsttum, den Freimauerern, den Fürsten, dem Kapitalismus geraunt und gemurmelt, getuschelt und gezetert mit einer Freude am Aberglauben, am Widersinn sogar, und mit einer Abneigung gegen die einfachen Wahrheiten der Wissenschaften, die zu denken geben müssen.

Da muß irgend etwas nicht stimmen, wenn das tollste Zeug so heißhungrig geglaubt wird. Ein geheimer Hunger kündigt sich jedenfalls an, dem die öffentliche Geschichtsstunde offenbar nicht Genüge tat.

Auf der anderen Seite bezeugt ein Blick in die Schulbücher der Geschichte und in die Vorlesungsverzeichnisse der Geschichtsprofessoren die Unsicherheit, die auf dem unermeßlich breiten Strom der bisherigen Geschichtsschreibung herrscht. Seine Zuflüsse vertrocknen. Weder die Geschichte der Kirche, noch die Geschichte des Staats haben mehr jene elektkrische Verbindung mit dem Innern des Volks.

Von der Tiefe aus scheinen sie zu versiegen. Ein Beispiel: Seit dreißig Jahren bemühen sich die Lehrbücher, neue Geschichsperioden zu bilden. Die wichtigsten Einschnitte der Geschichte, die bisher unverrückbar fest standen: wie der Eintritt der Neuzeit mit 1517, wie das Goldene Zeitalter  des Perikles (430 vor Christi), wie der Eintritt des Christentums in die antike Welt, sind von der geschichtlichen kritik wegdisputiert und wegkritisiert worden.

Man hat sich bemüht, die Neuzeit einhundertfünfzig Jahre später oder zweihundert Jahre früher anfangen zu lassen. Man hat sich bemüht, die Goldene Zeit Griechenlands von Perikles zurückzuverlegen auf die Zeit der Äginetenfriese [das muss ein Druckfehler sein!] (500 bis 600) und der archaischen Bildhauerkunst.

Man hat Luther das Recht abgesprochen, durch seine Reformation die Neue Zeit eingeläutet zu haben,  und hat die Neuzeit aufs Jahr 1648 hinter den Dreißigjährigen Krieg datiert. Damit hat es die Wissenschaft zwar fertiggebracht, den Glauben an die bisherigen Einteilungen zu erschüttern, aber sie hat nicht die Kraft gehabt und konnte sie nicht haben, für ihre eigenen neuen Einschnitte die Massen zu gewinnen. Und wie hätte die Wissenschaft auch für ihre Schulmeinungen die Völker gewinnen sollen?

Die wichtigen Einschnitte der Geschichte werden ja nicht etwa erst durch Bücher oder durch Gelehrte festgelegt. Denn dass die Schlacht bei Tannenberg eine wichtige Geschichtssache sei, das wußte man am 1. September 1914, und man wußte es gerade nicht aus der geschichtlichen Literatur. Sondern es existierte eben von diesem Tage an der neue Name für eine entscheidende Tatsache: die Schlacht bei Tannenberg.

So aber ist es mit allen historischen Ereignissen bestellt. Der Siebenjährige Krieg, die Reformation, die hundert Tage Napoleons I., die französische Revolution, die „zehn Tage, die die Welt erschütterten“, das sind Ereignisse, die sich in Herz und sinn der Zeitgenossen eingschreiben und eingeschrieben haben müssen, bevor wir begierig zu den Büchern greifen, die uns diese Ereignisse  im einzelnen erzählen wollen. Die Bücher erzählen, was passiert ist. Aber sie müssen von dem erzählen, was Auffälliges passiert ist. Jedoch: wir wollen heute von anderen Ereignissen erzählt bekommen als bisher.

Deswegen sind die Schulbücher in Verlegenheit. Im Augenblick dieser Verlegenheit sind die Geschichtserzähler auf eigene Faust vorgestoßen: Sie haben viele Biographien auf den Markt geworfen. Die Helden der bisherigen Geschichte: Caesar, Napoleon, Friedrich II., aber auch Plato, Shakespeare,  und Goethe, Bismarck und Byron und so weiter sind in den letzten Jahren vorzüglich zum Gegenstand der Geschichtsbücher geworden, die die sogenannten Kulturgeschichtsbücher.

Die Wissenschaftsgeschichten, die Kunstgeschichten, Rechtsgeschichten, Geschichten der Technik, Geschichte der Arbeit, Geschichte des Porzellans, Geschichte des Ackerbaus, der Medizin usw. usw. sind immer zahlreicher geworden. Man hat als solche Spezialgeschichte auch die Geschichte des niederen Volks geschrieben.  Und an dieser Stelle greifen die Ersatz- und Teillösungen und die Spezialwerke am klarsten hinüber in die neuen Generalfragen, die wir als Laien an die Geschichte stellen.

Nicht der Staatsmann und nicht die Kardinäle, nicht die demokratischen und die konservativen Politiker, nicht die Lehrer und die Juristen sind nämlich heute das Publikum, das den Geschichtsschreibern die Aufgabe stellt. So war es noch bei Treitschke, bei Sybel, bei Ranke und bei Mommsen. Dieses Publikum gibt es natürlich auch heute noch. Aber eine andere Seite unserers Innern bedarf heute auch der Geschitsschreiber!

Es ist der Enkel einer Familie, der Erbe eines Geschlechts, der Sohn eines Elternpaares, der heute angesichts der Bedrohung der Familie geschichtsbedürftig wird. Und diese vielen einzelnen Söhne des Volkes, die in einer Notzeit sich fragen, wie sie zu Ahnherren künftiger Geschlechter zu werden vermöchten, tragen ihr inneres hinaus in die Öffentlichkeit. Das ist die tiefe Unruhe die alle Rationen der Erbe ergriffen hat!

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Das ist in etwa die Hälfte des Artikels………….

Teil 2 folgt demnächst….

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Die Aktualität des Artikels heute, 90 Jahre später, erschreckend!

Professor Rosenstock beklagte die Zustände seiner Zeit, ohne zu wissen, was die damals die unmittelbar aufkommende Zeit mit sich brachte.

Und heute, 90 Jahre später könnte ein neuer Professor Rosenstock fast Wort für Wort dasselbe schreiben.

Denn es sind wieder dieselben Zuständen. Mögen sie nicht zu denselben Entwicklungen führen. Aber wie soll das sein, wenn die Meinungsdiktaturen von heute uns solche Texte vorenthalten wollen?

Wenn sie uns nicht gestatten wollen, aus der Geschichte tatsächlich zu lernen, indem wir die Geschichte echt und realistisch kennenlernen dürfen?

Warum haben sie die Auflagen der Zeitungen aus den 30er Jahren gestoppt?


Geschichte: Preußischer/Deutscher Sieg über Frankreich am 02.09.1870

in Kürze:

Deutsch-Französischer Krieg: dritter und letzter Deutscher Einigungskrieg.
Auslöser: Emser Depesche
Konfliktparteien: Norddeutscher Bund mit Bayern, Baden und Württemberg gegen Frankreich.
Zeitraum: 19.07.1870 bis 10.05.1871
Ergebnis: Sieg des Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung bei der Schlacht von Sedan. Napoleon III. wird gefangen genommen. In der Folge schließt sich der Norddeutsche Bund mit Bayern, Württemberg und Baden zum Deutschen Reich zusammen. Die Kaiserproklamation findet am 18.01.1871 in Versailles statt.

Der Deutsch-Französische Krieg 1871 gilt als letzter Deutscher Einigungskrieg. Nach dem vorangegangenen Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutschen Krieg 1866 führte er schließlich zur Entstehung des kleindeutschen Nationalstaates unter der Führung von Preußen.

Der Weg in den Deutsch-Französischen Krieg
Nachdem es zwischen Frankreich und Preußen zu einem Streit über die spanische Thronkandidatur eines Hohenzollernprinzen gekommen war, veröffentlichte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck die Emser Depesche, in der Kaiser Wilhelm I. die französischen Forderungen, dem Prinzen die Annahme der spanischen Königswürde für alle Zukunft zu untersagen, abgelehnt hatte. Daraufhin erklärte der französische Kaiser Napoleon III., der auf außenpolitische Erfolge angewiesen war, um seinen Thron zu stützen, Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg. Um das sogenannte Schutz- und Trutzbündnis mit dem Norddeutschen Bund unter Führung Preußens zu erfüllen, traten auch die süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt in den Krieg ein. Frankreich stand jedoch isoliert dar, da es die übrigen europäischen Staaten als Aggressor betrachteten und infolgedessen neutral blieben.

Reichseinigung
Aufgrund der schieren Übermacht ihres Gegners wurde die französische Armee innerhalb von nur wenigen Wochen in Metz eingeschlossen und geschlagen. Auch Napoleon III. konnte nach der Katastrophe von Sedan am 2. September 1870 gefangengenommen werden. Hiermit endete zeitgleich das zweite Kaiserreich und Frankreich wurde zur Republik. Bayern, Württemberg, Baden und Hessen Darmstadt traten am 1. Januar offiziell dem Norddeutschen Bund bei, der sich in der Folge Deutsches Reich nannte. Wilhelm I. wurde Deutscher Kaiser und Otto von Bismarck erhielt den Titel des Reichskanzlers.
Deutschland forderte, entgegen dem Willen seiner größtenteils zweisprachigen Bewohner, die Abtretung des Elsass, woraufhin sich die neue Republik Frankreich zur Fortsetzung des Krieges entschloss. Nachdem Ministerpräsident Gambetta zum Partisanenkampf aufgerufen hatte, kam es bald darauf zur Belagerung von Paris. Bereits im März 1871 zogen die deutschen Truppen in die französische Hauptstadt ein.

Folgen des Deutsch-Französischen Krieges
Nach dem Vorfrieden von Versailles endete der Deutsch-Französische Krieg mit dem Frieden von Frankfurt offiziell am 10. Mai 1871.
Durch den Deutsch-Französischen Krieg wurde das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein belastet und der Begriff der Erbfeindschaft geprägt. Auch wenn ein stabiler politischer Ausgleich zwischen Deutschland und Frankreich nicht erreicht wurde, folgte doch nach 1871 eine der längsten Friedensphasen in Westeuropa.

ausführlich

Frankreich war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter einer erfolgreichen Politik Napoleon III., zur politisch und militärisch führenden Macht Europas aufgestiegen. In maßloser Selbstüberschätzung beging Napoleon III. aber einen entscheidenden Fehler, indem er es versäumte, Bündnissysteme mit wichtigen Staaten zu schaffen. Er überwarf sich mit allen anderen europäischen Mächten, konkurrierte mit Großbritannien um Kolonien, führte Krieg gegen Russland, bekämpfte Preußens Ziele imDeutschen Bund und unterstützte lieber die Italiener im Krieg gegen Österreich. Kurzum, Napoleon III. betrieb eine kurzsichtige, auf schnelle Erfolge erheischende Außenpolitik, die sich im Jahr 1870 bitter rächen sollte.

Erstürmung des Parktores zum Geisberg-Schlösschen  bei Weißenburg, 4. August 1870

Erstürmung des Parktores zum Geisberg-Schlösschen  bei Weißenburg, 4. August 1870

Die Bayern bei Weißenburg, 4. August 1870

In Frankreich empfand man die Entscheidung des Deutschen Kriegs von 1866 zugunsten Preußens als eine Niederlage. Weite Kreise in der französischen Gesellschaft verlangten eine „Revanche für Sadowa“ (Bataille de Sadowa = Schlacht bei Königgrätz) und beschuldigten Kaiser Napoleon III., der nicht einmal Luxemburg als Kompensation zu gewinnen wusste, des Verrates an Frankreichs Macht und Ehre. Die französische Regierung sah sich unter diesen Umständen zur Behauptung ihrer Popularität und Macht zu einem Krieg gegen Preußen gedrängt. Niel hatte die französische Armee organisiert, man hielt sich für ausreichend gerüstet und so suchte man nach einem Anlass für einen Krieg. Dieser fand sich in der spanischen Thronfolgefrage. Auf die Nachricht, dass die spanische Krone dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollern angeboten und von ihm angenommen worden sei, erklärten der französische Außenminister, Gramont, auf eine Anfrage der gesetzgebenden Versammlung am 6. Juli 1870, Frankreich werde nicht dulden, dass eine fremde Macht, indem sie einen ihrer Prinzen auf den Thron Karls V. setzte, das europäische Gleichgewicht zu ihren Gunsten störe. Volksvertretung und Presse begrüßten diese Erklärung, die ohne weiteres als Kriegsdrohung gegen Preußen aufgefasst wurde, mit stürmischem Beifall und die französische Regierung verlangte am 9. Juli 1870 durch ihren Botschafter Benedetti von König Wilhelm in Ems, er möge den Erbprinzen von Hohenzollern zum Verzicht auf die spanische Krone zwingen. Da der Prinz am 12. Juli von selbst der angebotenen Krone entsage, schien der Fall erledigt zu sein. Doch nun setzten die Franzosen nach und Gramont verlangte vom preußischen Botschafter in Paris, von Werther, er solle den König zur Absendung eines an Napoleon III. gerichtetes Entschuldigungsschreiben bewegen und Benedetti erhielt den Auftrag, dem König die Versicherung abzunötigen, dass er in Zukunft niemals eine neue Thronkandidatur des Erbprinzen zulassen werde. Diese Zumutung wies der König entschieden zurück und verweigerte dem Botschafter eine weitere Audienz zu diesem Fall. Darin und besonders in der Mitteilung („Emser Depesche“), die Bismarck darüber den Gesandtschaften des Norddeutschen Bundesmachte, sah die französische Regierung  eine Beleidigung ihres Botschafters und begründete damit am 15. Juli 1870 das Verlangen an die gesetzgebende Versammlung, die für den Krieg erforderlichen Beschlüsse (ein Kredit von 66 Millionen Franc, Einberufung der Mobilgarde und Anwerbung von Freiwilligen) sofort zu fassen. Nur wenige Deputierte warnten vor den Folgen eines Kriegs und so wurde am 19. Juli 1870 Preußen der  Krieg erklärt. Im Vertrauen auf die neuen Waffen, wie das Chassepotgewehr und die Mitrailleuse, sowie auf Unterstützung Dänemarks, Italiens und Österreichs, die Erhebung der von Preußen 1866 annektierten Provinzen, die Neutralität oder gar Allianz Süddeutschlands, hoffte Frankreich auf einen schnellen Sieg.

Erstürmung des Landauer Tores zu Weißenburg, 4. August 1870

Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Douay, 4. August 1870

Erstürmung des Landauer Tores zu Weißenburg, 4. August 1870

Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Douay, 4. August 1870

In Preußen kehrte König Wilhelm am 15. Juli 1870 nach Berlin zurück und erließ die Mobilmachungsorder. In den süddeutschen Ländern erkannte man den Bündnisfall an und auch die anfangs abgeneigten Kammern von Bayern und Württembergbewilligten die erforderlichen Gelder. Der Reichstag des Norddeutschen Bundes beantwortete am 19. Juli 1870 die Thronrede des Königs mit Zustimmung und genehmigte die Kriegsanleihe einstimmig. Bismarck veröffentlichte in diesem entscheidenden Augenblick am 25. Juli 1870 in der britischen „Times“ den Entwurf eines Bündnisses, das Frankreich Preußen seit 1867 wiederholt angetragen, dieses aber abgelehnt hatte. In diesem Vertragsentwurf sollte Frankreich Luxemburg und Belgien, Preußen die Herrschaft über ganz Deutschland erhalten. Die öffentliche Meinung Europas war damit gegen Napoleon III. gewonnen, auch war er danach moralisch der Angreifer auf den Frieden Europas.

In Italien und Österreich waren allerdings zunächst maßgebende Persönlichkeiten zur Unterstützung Frankreichs geneigt. Aber beide Staaten waren zu einem neuen Krieg nicht in der Lage und Österreich musste noch auf Russland Rücksicht nehmen. Frankreich und Deutschland standen sich somit allein gegenüber.

Auf deutscher Seite war die Mobilmachung in einer Woche vollendet. Drei Armeen unter dem Oberbefehl des Königs von Preußen, die Moltke als Chef des Generalstabes in Wirklichkeit führte, sollten am Mittelrhein auf der Operationsbasis Koblenz – Mainz – Mannheim aufgestellt werden.

  • Die erste Armee, das 7. und 8. Armeekorps, einschließlich der 1. und 3. Kavalleriedivision (60 000 Mann mit 180 Geschützen), unter dem Befehl des Generals von Steinmetz, bildete den rechten Flügel bei Koblenz.

  • Die zweite Armee, die Garde, das 3., 4., 9., 10. und 12. Armeekorps und die 5. und 6. Kavalleriedivision (194 000 Mann mit 534 Geschützen), unter dem Befehl des Prinzen Friedrich Karl von Preußen.

  • Der linke Flügel bei Mannheim war die dritte Armee, das 5. und 11. norddeutsche Korps, die Bayern, Württemberger und Badener (130 000 Mann mit 480 Geschützen unter dem Kronprinzen Friedrich von Preußen.

Im Ganzen standen also in erster Linie 384 000 Mann mit 1194 Geschützen.

Drei preußische Armeekorps (1., 2. und 6.) blieben als Reserve im Osten. Den Küstenschutz übernahmen unter Vogel von Falckenstein.

Die Württemberger bei Wörth, 6. August 1870

Gefangene Turkos bei Wörth, 6. August 1870

Die Württemberger bei Wörth, 6. August 1870

Gefangene Turkos bei Wörth, 6. August 1870

Die Franzosen zogen eine „Rheinarmee“ zusammen, doch durchaus nicht so schnell, wie man erwartet hatte, weil die Einziehung der Reserven höchst umständlich uns zeitraubend und alles Material, Proviant, Munition, Wagen, Kleidung usw. in Paris konzentriert war und von dort bezogen werden musste. Die Zahl der verfügbaren Mannschaften entsprach nicht den Angaben auf dem Papier: Die französische Rheinarmee zählte Anfang August nur 250 000 Mann, die nicht einmal alle völlig ausgerüstet waren. Die Armee, deren Oberbefehl Kaiser Napoleon III. selbst übernahm mit dem bisherigen Kriegsminister Leboeuf als Generalstabschef, war überdies an der deutschen Grenze verzettelt. Das 7. Korps unter Douay stand bei Belfort, das 1. unter Mac Mahon bei Straßburg, das 5. unter Failly bei Bitsch, das 2. unter Frossard bei Saarbrücken, das 3. unter Bazaine bei Metz, das 4. unter Ladmirault bei Diedenhofen, das 6. unter Canrobert bei Châlons und die Garde unter Bourbaki bei Nancy. Während die deutsche Armee am 30. Juli 1870 gegen die französische Grenze vorrückte, musste die französische Armee vorläufig verharren. Nur das 2. französische Korps führte am 2. August 1870 in Gegenwart des Kaisers und es kaiserlichen Prinzen einen Angriff aufSaarbrücken aus. Da die Stadt nur von ungefähr 1000 Preußen verteidigt wurde, konnte sie von den Franzosen für kurze Zeit besetzt werden. Die Deutschen hatten inzwischen das 1., 2. und 6. Korps herangezogen und sich so um 100 000 verstärkt. Nun konnten sie in die Offensive gehen, die erste Armee marschierte die Saar aufwärts, die zweite Armee durch die Rheinpfalz und die dritte Armee nach der Lauter.

Erstürmung des Roten Berges von Spichern, 6. August 1870
Ankunft König Wilhelms in der damaligen Grenzstadt Saarbrücken, 10. August 1870
Erstürmung des Roten Berges von Spichern, 6. August 1870 Ankunft König Wilhelms in der damaligen Grenzstadt Saarbrücken, 10. August 1870

Die dritte Armee unter dem Kronprinzen stieß zuerst bei Weißenburg auf Widerstand, wohin Mac Mahon eine Division unter Douay vorgeschoben hatte. Am 4. August wurde Weißenburg (Schlacht bei Weißenburg) und der dahinter liegende Geisberg wurden von den Deutschen nach heftigen, erbitterten Kämpfen erstürmt. Am 6. August siegte wiederum die dritte Armee bei Wörth (Schlacht bei Wörth), diesmal über Mac Mahon selbst. Am selben Tag wurde von Truppen der ersten und zweiten Armee nach heldenmütiger Erstürmung der Spicherer Höhen das Korps Frossard geschlagen, worauf sich die französische Rheinarmee bei Metz zusammenzog. Der deutsche Plan, die Franzosen durch Umfassung der rechten Flanke auf dem rechten Moselufer zur Entscheidungsschlacht zu zwingen, wurde so vereitelt. Auch die dritte Armee verlor die Fühlung mit den besiegten französischen Truppen und so konnten sich Mac Mahon, Failly und Douay mithilfe der Eisenbahn unbehelligt ins Lager von Châlons zurückziehen.

Die 53er bei Colombey-Nouilly, 14. August 1870

Die Kürassiere bei Vionville, 16. August 1870

Die 53er bei Colombey-Nouilly, 14. August 1870

Die Kürassiere bei Vionville, 16. August 1870

Dennoch waren diese ersten Siege der Deutschen von größter Bedeutung. Sie erfüllten die deutschen Armeen und das deutsche Volk mit freudiger Siegeszuversicht, schreckten Italien und Österreich von jeder Einmischung ab und riefen in Frankreich große Bestürzung hervor. In Frankreich wurde das Ministerium Ollivier-Gramont gestützt, die Regentin, Kaiserin Eugenie, rief General Palikao an die Spitze der Regierung. Kaiser Napoleon III. übergab am 12. August 1870 den Oberbefehl der Rheinarmee an Bazaine, der Plan einer Landung in Norddeutschland wurde aufgegeben, die Aushebung aller waffenfähigen Mannschaften beschlossen und alle Deutschen aus Frankreich vertrieben. Bazaine hatte die Absicht, die Rheinarmee von Metz nach Châlons zu führen, wurde aber am 14. August 1870 durch den Angriff der ersten deutschen Armee auf seine noch rechts der Mosel stehenden Korps daran gehindert (Schlacht bei Colombey-Nouilly). Als er am 16. August 1870 den Abmarsch antreten wollte, stellten sich ihm auf der Straße nach Verdun, westlich von Metz, das 3. und 10. preußische Korps, die oberhalb Metz die Mosel überschritten hatten, entgegen und zwangen ihn durch die blutige Schlacht von Vionville-Mars-la-Tour zum Rückzug auf Metz. In der Stellung, die Bazaine auf den Höhen westlich von Metz mit 140 000 Mann einnahm, wurde er am 18. August von der ersten und zweiten deutschen Armee unter dem Befehl des Königs angegriffen (Schlacht bei Gravelotte). Bei St.-Privat warfen die Deutschen den rechten Flügel der Franzosen zurück und Bazaine zog sich in der Nacht hinter die Forts zurück. Das Ergebnis wurde allerdings mit dem damaligen ungeheuren Verlust von 1832 Offizieren und 39 000 Mann erkauft und wurden die „Schlachttage von Metz“ genannt (14., 16. und 18. August). Nun war aber der Abmarsch der französischen Rheinarmee nach Châlons verhindert und sie in Metz eingeschlossen.

Vernichtung des französischen Kürassierregimentes "Eugenie" durch preußische Infanterie in der Schlacht bei Vionville, 16. August 1870
Die Schlacht bei Gravelotte, 18. August 1870
Vernichtung des französischen Kürassierregimentes „Eugenie“ durch preußische Infanterie in der Schlacht bei Vionville, 16. August 1870 Die Schlacht bei Gravelotte, 18. August 1870

Zur Einkreisung von Metz blieben unter der Führung von Prinz Friedrich Karl die erste und zweite Armee zurück und wurden durch die Landwehrdivision Kummer und die 17. Division verstärkt, während die Garde, das 4. und 12. Armeekorps von der zweiten Armee ausgegliedert wurden und mit der 5. und 6. Kavalleriedivision als vierte Armee (Maasarmee) dem Oberbefehl des Kronprinzen Albert von Sachsen unterstellt wurden.

Kronprinz Albert von Sachsen bei Gravelotte, 18. August 1870
Das 2. Grenadier-Regiment zu Fuß in der Schlacht bei St.-Privat, 18. August 1870
Kronprinz Albert von Sachsen bei Gravelotte, 18. August 1870 Das 2. Grenadier-Regiment zu Fuß in der Schlacht bei St.-Privat, 18. August 1870

Diese Armee sollte mit der Dritten, die mittlerweile über Nancy die Mosellinie erreicht hatte, unter dem Befehl des Königs ins Innere Frankreichs vorrücken. So hoffte man in Châlons, oder vor Paris den Feind zu treffen. Indes fand bereits die den Vormarsch deckende Reiterei, die dem Gros um mehrere Tage voraus war, das Lager von Châlons von den Franzosen geräumt vor. Diese waren bereits nach Norden abgezogen. Zuvor hatten die Franzosen das 1., 5., 7. und 12. französische Korps, rund 130 000 Mann, zusammengezogen und reorganisiert. Auch war Kaiser Napoleon III. nach Metz gekommen und hatte seinem erfahrenen General Mac Mahon den Oberbefehl übertragen. Dieser erhielt nun aus Paris, von Palikao, den Befehl, auf Diedenhofen zu marschieren und sich dort gleichzeitig mit Bazaine, der aus Metz ausbrechen sollte, zu vereinigen. So sollten die Deutschen zum Rückzug gezwungen werden, oder ihnen wenigstens in den Rücken fallen können. Das ganze Unternehmen war ein sehr gewagter, wenn nicht sogar verzweifelter Plan, aber er schien der Kaiserin und dem Ministerium zur Erhaltung der Dynastie auf dem Thron notwendig. Mac Mahon gehorchte dem Befehl, obwohl er ihn nicht billigte; auch der Kaiser erhob keinen Einspruch.

Sturm der Bayern auf Bazeilles (Sedan), 1. September 1870
Die Hessen verhindern den Durchbruch der "Afrikanischen Jäger" bei Floing (Sedan), 1. September 1870
Sturm der Bayern auf Bazeilles (Sedan), 1. September 1870 Die Hessen verhindern den Durchbruch der „Afrikanischen Jäger“ bei Floing (Sedan), 1. September 1870

Am 21. August brach die französische Armee auf, jedoch wurde der kühne Marsch über Reims, Rethel und Montmedy nach Diedenhofen nicht mit der erforderlichen Schnelligkeit ausgeführt. Inzwischen hatte die dritte deutsche Armee einen großen Rechtsschwenk ausgeführt und ihren Marsch nach Norden gerichtet und bereits am 27. August erreichte die deutsche Kavallerie die Franzosen bei Buzancy. Der deutsche Generalsstab befahl nun, dass die deutsche Maasarmee und zwei von Metzherangezogene Korps den Franzosen den Weg nach Metz verlegen sollten. Die dritte Armee erhielt den Befehl, die Franzosen im Westen zu umfassen und in Richtung belgische Grenze abzudrängen. Die deutsche Armee führte den Befehl pünktlich und sicher aus. Am 30. August 1870 wurde das 5. französische Korps bei Beaumont eingeholt und zersprengt und Mac Mahon bei Sedan am 1. September zur Schlacht gezwungen (Schlacht bei Sedan). Die Franzosen wurden hier völlig umzingelt und mussten am 2. September 1870 kapitulieren. Außer den 21.000 während der Schlacht gefangen Genommenen, gerieten 83.000 Franzosen, darunter 2866 Offiziere in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nur das Mac Mahon von Paris nachgeschickte 13. Korps entkam und kehrte nach Paris zurück.

Moltke vor Sedan, 1. September 1870
Nach der Schlacht bei Sedan. 1. September 1870
Moltke vor Sedan, 1. September 1870 Nach der Schlacht bei Sedan. 1. September 1870

Bazaine Versuch vom 31. August, die deutschen Belagerungslinien vor Metz auf dem rechten Moselufer zu durchbrechen, wurden in der zweitägigen Schlacht bei Noisseville zurückgeworfen. Das französische Heer, teils in Metz eingeschlossen, teils kriegsgefangen, war zu keinen weiteren Operationen fähig; mit seiner Erledigung brach auch das französische Kaiserreich selbst zusammen. Auf die Kunde von der „Schmach von Sedan“ trieben die Pariser die gesetzgebende Versammlung am 4. September 1870 auseinander und betrauten die Deputierten der Stadt mit der „provisorischen Regierung der Nationalverteidigung“. Der Gouverneur von Paris General Trochu, führte den Vorsitz. Die französische Kaiserin Eugenie flüchtete nach Großbritannien, wohin ihr der kaiserliche Prinz folgte. Napoleon III., schon seit 1. September Kriegsgefangener, erhielt Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel als Aufenthaltsort angewiesen. In Deutschland und auch im Ausland sah man im Ende des französischen Kaiserreichs auch das Ende des Krieges.

Bismarcks und Napoleons Zusammentreffen auf der Chaussee bei Donchery
Napoleon III. und Bismarck vor dem Weberhäuschen in Donchery, 2. September 1870
Bismarcks und Napoleons Zusammentreffen auf der Chaussee bei Donchery Napoleon III. und Bismarck vor dem Weberhäuschen in Donchery, 2. September 1870