HITLERS REVOLUTION

 

AH – seine Revolution – bis S. 55

 

Kapitel 1: Die Ideologie

Einleitung

Gewisse historische Epochen sind zeitlos in ihrer Fähigkeit, Neugier und Phantasie zu beflügeln. Das alte Ägypten und das alte Rom symbolisieren Größe und Macht, während die Renaissance die menschliche Kreativität in wundervoller Form zum Ausdruck bringt Das Frankreich Napoleons beweist, dass die Willenskraft eines einzigen Menschen ein Zeitalter prägen kann, und der amerikanische Wilde Westen versinnbildlicht die Rauheit und Abenteuerlust jener Pioniergeneration, die sich einen Kontinent untertan machte. Von solchen Meilensteinen der Zivilisation kann man sehr viel lernen, auch wenn die Menschen die Ereignisse im Licht ihrer spezifischen Überzeugungen und Interessen unterschiedlich interpretieren.
Von den historisch bedeutsamen Epochen der Geschichte ist jene des nationalsozialistischen Deutschlands eine der jüngsten. Dieser Staat, der die Phantasie der Menschen weiterhin in seinen Bann zieht und gar manchem einen ehrfürchtigen Schauer einjagt, übte zu seiner Zeit geradezu unermesslichen Einfluss aus, was in Anbetracht seiner vergleichsweise kurzen Existenz umso bemerkenswerter ist. Als Antithese zu demokratischen Werten in einem Jahrhundert, das den Triumph der Demokratie sah, ging Deutschland kämpfend unter. Deshalb liegt die Geschichtsschreibung über jene Ara weitgehend in den Händen der ehemaligen Feinde Deutschlands. Zu ihren Schwachpunkten gehört die oberflächliche Annahme, der Nationalsozialismus sei ein wurzelloses politisches Programm und das Produkt der Weltanschauung eines einzigen Mannes gewesen. In Wahrheit bemühten sich die Nationalsozialisten bewusst, ihre Politik in Übereinklang mit deutschen und europäischen Bräuchen und Praktiken zu gestalten. Sie waren der Ansicht, ihre Ziele entsprächen der natürlichen Entwicklung ihres Kontinents, und verwarfen das ihrer Weltanschauung diametral entgegengesetzte westlichdemokratische Konzept als fremdartig und unmoralisch.
Die Demokratie – ein politisches Kredo, das behauptet, die Freiheit der Wahl zu verteidigen – verdankt ihren Aufschwung keineswegs ihrem Erfolg bei den Volksmassen, sondern ihrer überwältigenden wirtschaftlichen und militärischen Macht. Dies tut ihrem Anspruch, das moralischste aller möglichen politischen Systeme zu sein, jedoch keinen Abbruch. Dem recht jungen demokratischen Glauben an Multikultur, Mehrheitsherrschaft, Feminismus, universale Gleichheit und Globalisierung standen einst die gesellschaftlichen und politischen Konventionen Europas entgegen, das einen durch Konflikt und Kompromiss, innere Einkehr und Entdeckungen geprägten jahrhundertelangen Reifungsprozess hinter
sich hatte. Die Überzeugung, dass eine Nation ihr eigenes Ethos sowie eine kollektive Persönlichkeit besitzt, die auf einem gemeinsamen ethnischen Erbe und nicht bloß auf Sprache oder Umwelt beruht, hat im demokratischen Denken keinen Platz, und auch die Vorstellung, dass es unter den Menschen eine durch ihre Leistungen bedingte natürliche Rangordnung gibt, ist dem Demokraten zutiefst fremd.
In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zwangen zwei Weltkriege zahlreichen europäischen Staaten, die zuvor einen eigenen Weg eingeschlagen hatten, demokratische Regierungen auf. Eine der schlagkräftigsten Waffen im Arsenal der Demokratie war Gräuelpropaganda. Mit ihrer Dämonisierung des Gegners stärkte sie die Moral der alliierten Armeen und schuf den neutralen Staaten Sympathien für die Sache der Alliierten. Sie lieferte eine Rechtfertigung für den Einsatz brutalster Mittel bei der Niederringung des Feindes. Sie erklärte den Kampf zur Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse und machte ihn hiermit für die Bevölkerung Amerikas und des britischen Commonwealth leicht verständlich. Die Schreckenstaten, welche die alliierten Propagandisten Deutschland – dem Rückgrat des Widerstandes gegen die westliche Demokratie – unterstellten, werden bis zum heutigen Tage unermüdlich beschworen. Diese Propaganda wird von der Unterhaltungsindustrie emsiger betrieben als von den Historikern und appelliert fast ausschließlich an Emotionen. Indem man seinen Widersacher in möglichst schwarzen Farben malt, will man eine rationale und sachliche Debatte über politische Alternativen auch in Zukunft verhindern. Dies ist in höchstem Maße bedauerlich, denn zu den besten Lehrmitteln in der Schule des Lebens zählt der Vergleich.
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er Argumente allzu oft nicht nach ihrer Überzeugungskraft beurteilt, sondern danach, wer sie anführt. Die persönliche Integrität eines Gegners in Frage zu stellen ist meist viel wirksamer als eine rationale Widerlegung seiner Thesen. In Adolf Hitler besaß Deutschland einen Kriegsherrn, dessen Konzept eines autoritären, sozialistischen Staates für die Demokraten eine Herausforderung ohnegleichen bedeutete. In ihrer Empörung darüber, dass jemand in einer dermaßen aufgeklärten Zeit solche Ansichten vertreten und diese darüber hinaus so effizient propagieren konnte, bieten die zeitgenössischen Historiker Myriaden von Erklärungsmöglichkeiten für Hitlers antidemokratisches Weltbild feil. Bald behaupten sie, seine zwanghafte Faszination für schwarze Magie und Astrologie habe ihn dazu verführt, den Krieg vom Zaun zu brechen; bald wollen sie uns weismachen, er sei infolge von Inzucht in seiner Familie geistesgestört oder beschämt über seine jüdische Abstammung oder homosexuell gewesen, oder er habe eine unglückliche Kindheit gehabt, oder Frustration über sein Scheitern als Künstler empfünden, oder er sei mit einem verkümmerten Hoden zur Welt gekommen etc.
Den Urhebern solcher Legenden möchte man raten, sich beispielsweise folgende Frage zu stellen: Wie kam es, dass die demokratischen Regierungen, welche die siegreichen Alliierten 1919 in vielen europäischen Staaten in den Sattel gehoben hatten, innerhalb von 20 Jahren dort fast überall verschwanden?………………………………………….

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