Ittner: Nachruf Reinhold Leidenfrost

Nachruf für REINHOLD LEIDENFROST

von Gerhard Ittner

Am 5. November 2017 starb unser Kamerad, mein lieber väterlicher Freund Reinhold Leidenfrost im 94. Lebensjahr in Weißenstadt im Fichtelgebirge, unweit von Wunsiedel. Geboren wurde er am 6. März 1924 in Ilmsdorf in Thüringen, zwischen Jena und Eisenberg gelegen. Reinhold war das zweite von sieben Kindern der Eheleute Emil und Hilda Leidenfrost. Sein älterer Bruder Gerhard wurde 1922 geboren und auf Reinhold folgten Erich, Martin, Magdalene, Brigitte sowie die Jüngste, Renate, Jahrgang 1934. Die Leidenfrosts sind in Ilmsdorf seit 1542 urkundlich erwähnt. Über die 1677 geborene Katharina Leidenfrost, verheiratete Pfeisinger, aus dem niederösterreichischen Zweig der Familie, war Reinhold Leidenfrost mit Adolf Hitler verwandt.

Der jahrhundertealte Hof der Bauernfamilie Leidenfrost hatte elfeinhalb Hektar. Das war groß genug, um alle zu ernähren, wie Reinhold berichtete. Doch am 12. Mai 1937 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag, der Reinhold für sein ganzes Leben prägen und tief in seiner Erinnerung eingebrannt bleiben sollte. Dieser 12. Mai 1937 war ein warmer Sonnabend mit schönem blauem Frühlingshimmel.

Die größeren der Kinder, Gerhard, Reinhold und Erich, wollten den Eltern eine Freude bereiten und zeigen, daß sie selbständig arbeiten konnten; so zogen sie am Vormittag los auf den Acker zwischen den Nachbarorten Beulbar und Gerega zum Kartoffellegen. Am Tage vorher hatten der Vater und sein Bruder, Onkel Oskar, mit der Arbeit begonnen gehabt und die drei Jungen fanden die Kartoffelsäcke entnahmebereit an den Furchen der Kartoffeldämme stehend vor. Die Arbeit ging fleißig voran. Zur Mittagszeit kam der Vater mit dem Essen im Tragekorb.

Er hatte auch das kleine, fünf Jahre alte Schwesterchen Brigitte dabei. Nach dem fröhlichen gemeinsamen Mittagessen auf dem Felde half der Vater bei der Arbeit mit, als gegen drei Uhr nachmittags ein Gewitter aufzog. Am Anfang sah alles recht harmlos aus und nachdem die ersten Tropfen fielen, setzten sich der Vater und die Kinder an den Rand des hanglagigen Feldes.

Der Vater und Reinhold hatten sich jeweils einen leeren Kartoffelsack zum Schutz gegen den stärker werdenden Regen übergestülpt. Erich und die kleine Brigitte verkrochen sich unter einen Regenmantel aus Gummi. So saß man dicht zusammengekauert im Prasseln des niedergehenden Gusses. Plötzlich erfolgte ein überaus harter Knall. Reinhold, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte, meinte, diese würden ihm herausgerissen und er wurde einige Meter ins Feld hineingeschleudert. Er bekam einen starken beißenden Geruch in die Nase – Ozon – und wußte sofort:

Das war der Blitz! Als er sich aufgerappelt hatte, sah er den Vater leblos auf dem Rücken liegen. Erich und Brigitte lagen seitlich vom Vater vornüber auf dem Bauch und machten zuckende Bewegungen. Der sich etwas abseits befunden habene Gerhard kam heruntergerannt und rief mit Reinhold verzweifelt um Hilfe. Dann lief Gerhard eilend nach Beulbar und Reinhold nach Ilmsdorf, nach Hause, um Hilfe zu holen. „Der Blitz, der Blitz“ schrie Reinhold ins Haus hinein. „Der Papa rührt sich nicht mehr, er ist tot!“

Der Bruder der Mutter, der Onkel Ernst Tänzer, der gegenüber eine Fleischerei betrieb, fuhr mit dem Auto los. Auch die Leute von Beulbar versuchten zu helfen, doch für den Vater kam jede Hilfe zu spät. Er wurde auf einer Decke liegend ins Haus gebracht und in die Stube gelegt. Erich und Brigitte, die den Blitzschlag überlebt hatten, wiesen an ihren Körpern sternförmig ausgebildete Einschlagstellen mit langen roten Striemen auf. Der Arzt Dr. Jahn aus Bürgel kam und untersuchte die vom Blitzschlag betroffenen Kinder. Die Verzweiflung war groß und heulend versuchte man, sich gegenseitig zu trösten. Erst später erfuhren die Kinder, daß die zu dieser Zeit erst 33 Jahre alte Mutter, die 27 Jahre jünger als ihr Mann gewesen war, durch den Schock das Kind verloren hatte, das sie als ihr achtes erwartete.

Am Tage des Begräbnisses war es außergewöhnlich warm. Die Kapelle spielte das Lied „Ich hatt´ einen Kameraden“ und die Kriegskameraden des Vaters vom Kyffhäuserbund schoßen nach militärischem Brauch drei Salven über das Grab. Reinhold ging das Begräbnis sehr „unter die Haut“.

Nach dem Verlust des von seinen Kindern geliebten, treusorgenden Vaters stand die junge, siebenfache Mutter ohne Mann und Versorger der Familie da. Die Kleinste, Renate, war beim Tod des Vaters erst knapp drei Jahre alt. Es begann für alle eine sehr schwierige Zeit. Doch der damals bereits 66 Jahre alte Onkel Oskar war unverheiratet und auf dem elterlichen Hof geblieben. Das hatte Reinhold immer als Fügung Gottes oder der Vorsehung betrachtet, denn Onkel Oskar hatte in seinen alten Tagen noch einmal über Jahre alle seine Kräfte aufgeboten, um die Schwägerin, die Nichten und Neffen mit ganzem Einsatz zu unterstützen. Über seinen Onkel Oskar sagte Reinhold: „Seine Aufrichtigkeit und charaktervolle Haltung waren wegweisend für mich. Mit Dankbarkeit ehre ich das Andenken an diesen Mann.“

Die Besorgung einer Landwirtschaft war damals schwere Arbeit. So bildeten sie ein sehr unterschiedliches Gespann: Onkel Oskar, ein alter Mann; der gerade der Schule entsprungene Gerhard; drei noch schulpflichtige Jungen im Alter von zehn bis dreizehn Jahren und eine körperlich geschwächte junge Mutter standen bei der Ernte in der Hitze des Juli und August von früh bis spät auf dem Feld und mühten sich ab.

Die kleinen Schwestern spielten am Feldrand und waren so unter der Aufsicht der Mutter. Auf dem Hof mußten die Tiere versorgt werden: Das Pferd, der Zugochse, die Kühe, die Kälber, die Schweine, die Ziegen, die Hühner, die Gänse, die Tauben, die Katzen und der Hund. Als sie größer geworden waren, hatten auch die Mädchen ihre kleinen Aufgaben zu verrichten. Durch diese Zusammenarbeit und den Zusammenhalt konnte ein Auseinanderbrechen der Familie verhindert werden, was Reinhold sehr, sehr viel bedeutet hat.

Bei all der Arbeit und zusätzlich dem Lernen für die einklassige Dorfschule in Ilmsdorf zwackte Reinhold Zeit ab für seine große Leidenschaft: das Fliegen. Mit 15 Jahren absovierte er seinen ersten Alleinflug in einem Hängegleiter. Im Krieg meldete er sich als Freiwilliger zur Luftwaffe, um als Jagdflieger die angloamerikanischen Terrorbomber abzuschießen, wie er sagte. Ab 1942 Flugzeugführer, flog er im Jagdgeschwader 102 eine Me109.

Sein hauptsächliches Einsatzgebiet war Ostpreußen gewesen, im Abwehrkampf gegen die Rote Armee. Tief bewegt erzählte er davon, wie er von oben aus seiner Maschine die Flüchtlingsströme der Deutschen und ihr Elend sah.

Dort hatte er auch Versorgungsflüge mit der Ju52 vorzunehmen. Im Film „Kolberg“ wirkte Reinhold Leidenfrost mit anderen Wehrmachtssoldaten in historischer Uniform der Franzosen als Komparse mit.

Sein Bruder Gerhard diente ab 1940 in einem Artillerieregiment, der Bruder Erich ab 1943 in der 9. Waffen-SS Panzerdivision „Hohenstaufen“ und Martin Leidenfrost ab 1944 in der 12. Waffen-SS Panzerdivision „Hitlerjugend“.

Alle vier überlebten den Krieg. Als letzter kehrte Erich aus französischer Gefangenschaft in die Heimat zurück.

Im Ersten Weltkrieg hatte ihr Vater im Feldartillerieregiment 32, Standort Fritzlar, für das Deutsche Reich gekämpft und ihr Onkel Oskar im Infanterieregiment 94, Standort Jena.

Bei all dem hatte Reinhold den Beruf des Schlossers erlernt. Nach seiner Rückkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft blieb er wegen der dortigen roten Besatzungsmacht, die seinen Freund „abgeholt“ hatte, nur kurz in seiner Thüringer Heimat. Er schlug sich durch nach Westdeutschland, wo er an der Ingenieurschule Hagen sein Studium des Maschinenbaus zu Ende führte. Das Geld dafür mußte er sich mit harter Arbeit unter den schwierigen Bedingungen des in Trümmern liegenden Deutschlands selber verdienen. Seine größten Gegner waren dabei der allgegenwärtige Hunger, die lange Zeit fehlende warme Stube und das undichte Dach über dem Kopf. Am Vormittag besuchte Reinhold Leidenfrost seine Vorlesungen, bis 13 Uhr. Um 14 Uhr begann er seine oftmals schwere, bis spät abends gehende Arbeit auf dem Holzplatz einer Papierfabrik.

1949 schloß er sein Studium mit Diplom ab. Kurz nachdem ihm dieses überreicht worden war, erhielt Reinhold noch am selben Tag ein Telegramm mit der Nachricht vom Tod der geliebten Mutter. Noch nie in seinem Leben war er so niedergeschlagen wie an diesem Tag. Gerade einmal zwölf Jahre hatte die körperlich und psychisch ihre Kraft verloren habende Mutter den Vater überlebt; sie wurde nur 44 Jahre alt. Reinhold wollte unbedingt zum Begräbnis seiner Mutter nach Thüringen, in die sowjetische Besatzungszone. Nächtens überquerte er illegal die Grenze, die vermint war und an der geschossen wurde. Gerade noch rechtzeitig traf er zum Begräbnis ein. Der treue Onkel Oskar, dem die Familie so viel zu verdanken hatte, starb im Jahr darauf.

In seinem Beruf als Maschinenbauingenieur war Reinhold Leidenfrost sehr erfolgreich. Mit vielen Erfindungen und internationalen Patenten trug er zum Schaffen von Arbeitsplätzen für deutsche Menschen bei und seine Erfindungen wurden fester Bestandteil des modernen Maschinenbaus. Sein Spezialgebiet war u. a. die Konstruktion von Kupplungen und Getrieben und er hatte beachtete Veröffentlichungen in Fachzeitschriften. In Lehrbüchern über Maschinenbau wird auf seine Arbeiten hingewiesen. Das Deutsche Museum in München hat eine Erfindung von Leidenfrost in seinem Fundus, eine in ihrer Zeit revolutionäre elekronisch gesteuerte Fertigungsmaschine; die frühe Form eines Industrieroboters. Nach verschiedenen Anstellungen in der Industrie, zuletzt als leitender Ingenieur im Bereich „Entwicklung und Versuch“ in einem Großunternehmen mit 24.000 Mitarbeitern, eröffnete Reinhold Leidenfrost sein eigenes Entwicklungsbüro – seine „Denkstätte“, wie er es nannte.

Sein beruflicher Erfolg ermöglichte ihm die Finanzierung seiner Leidenschaft für das Fliegen. Reinhold, mit den exzellenten Fähigkeiten eines ehemaligen Jagdfliegers, war Kunstflug-Akteur auf vielen Flugtagen. Er unterrichtete Flugschüler in Wetterkunde. Auch hatte er den ersten Privatflug nach dem Krieg von Deutschland nach Afrika unternommen, was damals in der Presse große Beachtung fand. Während seines Fliegerlebens flog Reinhold Leidenfrost 58 verschiedene Baumuster ein- und mehrmotoriger Flugzeuge. Dies bei mehr als 3000 Flugstunden, was über vier Monate am Stück in der Luft entspricht.

Reinhold Leidenfrost mit seinen geschichtlichen, erdkundlichen und völkerkundlichen Interessen hatte viele Informationsreisen nach Afrika unternommen. In den 1990er Jahren verlegte er seinen ständigen Wohnsitz nach Kapstadt in Südafrika. Er suchte dort und im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika die in der Ferne lebenden Deutschen und Buren auf, knüpfte Freundschaften und war in der „Deutschen Büchergilde Kapstadt“ aktiv. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begab er sich im Herbst des Jahres 2005 ein letztes Mal nach Afrika und überreichte der Deutschen Privatschule in Otavi im heutigen Namibia eine Spende von mehreren tausend Euro, mit dem beurkundeten Wunsch, daß den dortigen Schülern die Deutsche Sprache als Muttersprache sowie die Deutsche Geschichte in Wahrheit gelehrt werde.

Mit seiner eigenen Ehe und den daraus hervorgegangenen Kindern hatte Reinhold Leidenfrost kein Glück, was ihn sehr traurig machte. Er wurde von ihnen im Stich gelassen. Auch hatte er seinen jüngsten Sohn, den 1971 geborenen Holger, durch einen tragischen frühen Tod verloren.

Reinhold und ich lernten uns in jenen 1990er Jahren kennen, als er wieder einmal aus Kapstadt auf Besuch nach Deutschland gekommen war, in seine bestehen gebliebene Wohnung in Neumarkt in der Oberpfalz. Ich war dort gerade mit dem Aufhängen von Wahlplakaten für die DVU beschäftigt, als auf der anderen Straßenseite ein Mercedes hielt, ein Mann ausstieg, freudestrahlend zu mir herüberkam und sagte: „Ich bin einer von Euch!“ Es war Reinhold Leidenfrost gewesen – und der Beginn einer tiefen Freundschaft und Seelenverbindung.

Reinhold kam dann immer wieder zurück nach Deutschland und entwickelte zusammen mit mir eine verstärkte politische Aktivität. Er begründete den „Kampfbund gegen die Unterdrückung der Wahrheit in Deutschland“ und schrieb Artikel, darunter den sehr erfolgreichen und weite Verbreitung findenden „Deutsches Leben unter Adolf Hitler – Der Bericht eines Zeitzeugen“.

Schließlich gab er seine Wohnung in Kapstadt ganz auf, um im Vaterland gegen die verkommenen politischen Zustände zu kämpfen und aufzuklären über die Lügen, welche man hier über die deutsche Geschichte erzählt, insbesondere über die Zeit des Nationalsozialismus und Adolf Hitler.

Reinhold Leidenfrost, der nie ein Hehl aus seiner Einstellung machte, würde großen Wert darauf gelegt haben, daß im Nachruf für ihn darauf hingewiesen wird, daß er überzeugter Nationalsozialist gewesen war und ein entschlossener Verteidiger Adolf Hitlers gegen dessen Verleumdung und Schlechtmacherei. Dem einst als Soldat der Wehrmacht geleisteten Eid blieb er Zeit seines Lebens treu; noch über seinem Sterbebett hing ein Portrait des geliebten und hochverehrten Führers. Reinhold Leidenfrost war ein glühender Verfechter der Auferstehung unseres Deutschen Reiches und er verabscheute die antideutsche Fremdherrschaft der BRD. In unserem von der gleichen nationalsozialistischen Überzeugung getragenen politischen Kampf waren wir beide sehr viel zusammen unterwegs, tausende von Kilometern kreuz und quer durchs Land, als Redner auf Demonstrationen und bei anderen Veranstaltungen. Und auch sonst verbrachten wir viel Zeit miteinander.

Als ich im siebenjährigen Exil gewesen war, hat mich Reinhold in zwei aufeinanderfolgenden Jahren in Nordfinnland besucht. Jeweils im Sommer, wenn es dort rund um die Uhr hell ist, was für den weitgereisten Reinhold eine neue Erfahrung war. Finnland hat ihn beeindruckt. Zusammen standen wir auf dem Polarkreis und besuchten einen dort liegenden deutschen Soldatenfriedhof: Norvajärvi bei Rovaniemi, eine von den Finnen für die gefallenen deutschen Waffenbrüder ergreifend gestaltete Anlage im Wald, am Ufer eines Sees. Hier entdeckte Reinhold im Verzeichnis der dort liegenden Wehrmachtssoldaten den Namen eines Verwandten, was ihn sehr bewegte. Bei Ranua und Pudasjärvi standen wir zusammen vor den Mahnmalen für die dort im Zweiten Weltkrieg stattgefunden habenden Gefechte. Sein Besuch in Finnland im Jahre 2006 sollte seine letzte weite Reise gewesen sein.

Zu dieser Zeit war Reinhold bereits von Neumarkt in der Oberpfalz nach Bad Sulza in seiner Heimat Thüringen umgezogen. Dorthin, wo er als Demonstrations- und Vortragsredner in den Jahren unserer gemeinsamen Aktivität sein hauptsächliches Wirkungsgebiet gehabt hatte. Gerade auch junge Kameraden besuchten ihn in Bad Sulza und luden ihn, den unterdessen Hochbetagten, als Redner zu Veranstaltungen ein. Das hat Reinhold immer große Freude bereitet; vor allem, da er so sehen konnte, daß seine besonders auch an die Jugend gerichtete Aufklärungsarbeit Früchte trägt.

Im Jahr 2015 wechselte Reinhold Leidenfrost noch einmal den Wohnort, nach Arzberg im Fichtelgebirge, nicht weit von Eger entfernt. Im Jahr darauf, Reinhold stand bereits im 93. Lebensjahr, nahm er die lange Fahrt nach Magdeburg auf sich, wohin ihn junge Kameraden brachten, um dort bei einer Veranstaltung als Redner aufzutreten. Ein letztes Mal in seinem Leben.

Was Reinhold Leidenfrost ganz besonders auszeichnete, war seine charismatische, verbindende Wesensart im ansonsten leider so zerstrittenen und von vielerlei gegenseitigen persönlichen Animositäten geprägten „nationalen Lager“. Reinhold Leidenfrost stand darüber, er wurde von allen respektiert und gemocht. Und gerade darin zeigt sich der große Verlust, welchen der Abschied Reinholds für uns bedeutet.

Nachdem ich im Oktober 2015 als politischer Gefangener der BRD aus der Gesinnungshaft entlassen worden war, besuchte ich Reinhold immer wieder in Arzberg. Ab dem Sommer 2016 auch zusammen mit Wiebke, welche in seinem allerletzten Lebensabschnitt für ihn zum wichtigsten Menschen geworden ist. Das konnte ich deutlich spüren und seinen Worten entnehmen.

Fast bis zum Schluß blieb Reinhold für sein Alter geistig erstaulich frisch und rege, wenn ihm auch das Laufen immer schwerer fiel. Nur in den allerletzten Wochen ließ seine Spannkraft nach. Im Oktober 2017 rief er mich eines Samstagabends kurz vor Mitternacht an, daß es ihm nicht gut gehe, und noch während des Telefongesprächs kam eine Frau vom Pflegedienst in seine Wohnung, die er per Notrufsignal verständigt hatte. Reinhold wurde mit Unterzucker ins Krankenhaus nach Marktredwitz gebracht und nach einer Woche in ein Pflegeheim nach Weißenstadt.

Am 4. November standen Wiebke und ich dort an seinem Sterbebett. Reinhold war bereits auf dem Weg nach „drüben“. Er konnte nur noch, wie von Ferne, mit Mühe einzelne, schwer zu verstehende Worte sprechen. Dann kam noch einmal ein Satz aus seinem Mund: „Meine liebe Wiebke!“, bei dem er ihre Hand ganz fest hielt.

Am Sonntag, den 5. November 2017, am Abend um 20 Uhr, ist Reinhold Leidenfrost entschlafen. Am 17. November haben wir ihn, seinem Wunsch gemäß, in Guthmannshausen beerdigt.

Auf dem Friedhof neben der Gedenkstätte für die deutschen Opfer der Kriege, der Kriegsgefangenschaft und der Flucht und Vertreibung. Reinhold Leidenfrost aber hat ein Zuhause und ruht in der Erde seiner Thüringer Heimat.

Und er hat ein Zuhause und lebt in den Herzen derer, die ihn kannten; wie er lebt in den Schriften, die er uns hinterlassen hat, und im Vermächtnis, das ihn beseelte, das viel älter ist, als er es war und wir alle sind, das jung ist und von heller Zukunft erfüllt, wenn wir es nur wollen – so wollen, wie es Reinhold Leidenfrost wollte und lebte:

DEUTSCHLAND! UNSER HEILIGES DEUTSCHES REICH!             

Gerhard Ittner

im Dezember 2017

 

Anmerkung: Reinhold Leidenfrost hat sich einen Grabstein gewünscht, mit der Aufschrift:

Hier ruht der ehemalige Jagdflieger Reinhold Leidenfrost und wartet auf die Auferstehung des Reiches.

Bislang steht nur ein einfaches Holzkreuz auf seinem Grab. Wer etwas spenden möchte, um den Grabstein zu ermöglichen, bitte auf das Konto:

(IBAN) DE20 2004 1133 0404 4210 00 (comdirect bank AG, Quickborn) Mit dem Vermerk „Leidenfrost“.

Sollte mehr Geld eingehen als für den Grabstein benötigt, wird dieses – ganz im Sinne Reinholds – für die Organisation und Durchführung der Gedenkveranstaltungen in Bretzenheim, zweimal im Jahr, und der jährlichen Gedenkveranstaltung in Dresden verwendet; ebenso für Saalveranstaltungen mit guten Rednern, welche ab nächstem Jahr geplant sind.

 

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