von Klaus Rainer Röhl

 

Seit Oktober 2014 tat sich etwas in Dresden und anderen Städten. Bürger, die sich unter dem Schlagwort „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) zusammengefunden hatten, machten sich auf weitgehend friedliche Spaziergänge, die bald erstaunlichen Zuspruch fanden. Sie fühlten sich nicht zu Unrecht in ihren Sorgen und Befürchtungen von Parteien und Politikern nicht ernst genommen. Derartige Aussagen sind zwar in einer Demokratie durchaus legal, erschienen aber vielen Medien, vor allem der Presse, und Politikern zu gefährlich, um einfach übergangen zu werden. Also griff man, um den Widerstand im Keim zu ersticken, zum Mittel der Diffamierung. Die Protestierer wurden kurzerhand zum Prekariat gerechnet oder man unterstellte ihnen, sie fürchteten den eigenen Abstieg und zögen daher gegen den Islam und Ausländer zu Felde.

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Eine offensichtliche Fehleinschätzung, die man nicht auf sich sitzen lassen wollte. Der Begriff „Lügenpresse“, der seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in jeder Art von Propagandafeldzügen reichlich verwendet wurde, war plötzlich wieder populär. Auf manchen Transparenten stand sogar „Lügenpresse, auf die Fresse!“ oder „Lügenpresse, halt die Fresse!“. Kein Wunder, dass die Journalisten, die sich nach eigener Aussage mehrheitlich als links oder linksliberal einschätzen, zum Gegenschlag ausholten. Und als jemand herausfand, auch die Nazis hätten diese Floskel benutzt, gab es keinen Zweifel mehr: Die vorher herablassend als Verlierer abgestempelten Pegida-Anhänger mutierten zu lupenreinen ausländerfeindlichen, rassistischen Neo-Nazis.

Was sich danach abspielte, könnte man als eine neue Abart des Pawlowschen Reflexes bezeichnen. Konditioniert von der „Reeducation“, treffender „Umerziehung“, die die westlichen Sieger nach dem Zweiten Weltkrieg über Deutschland verhängten und die wir, eingedenk unserer Schuld, seit 70 Jahren selbst eifrig betreiben. Hierzulande genügt schon der Nazi-Vorwurf, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen wie der Klingelton bei Pawlows Hund: Der Speichel beginnt zu fließen, obwohl kein Futter mehr angeboten wird. Linke Gegendemos formierten sich und sorgten mancherorts für die Aushebelung des Demonstrationsrechts. Toleranz wurde gefordert, jedoch nicht gegenüber Andersdenkenden.

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Sprüche wie „Farbe bekennen“ oder „Gesicht zeigen“ wurden aus der Mottenkiste hervorgeholt. Auch Politiker griffen beherzt zu. Erst als sich der Aberwitz bis zu den lachhaften „Nazis in Nadelstreifen“ des Innenministers von Nord­rhein-Westfalen steigerte, ruderten die Vernünftigen zurück und bekundeten, dass es sich bei Pegida in erster Linie um ganz normale Bürger mit normalen Berufen handele. Natürlich gäbe es auch am Rande rechte Rattenfänger, aber die seien doch in der Minderheit. Sie hatten spät, aber immerhin doch recherchiert. Und auch die Hartgesottenen unter den Medienleuten konnten bald ihre Kampagne abblasen, da sich die Bürgerbewegung wegen ihres dubiosen Initiators selbst geschadet und sich faktisch totgelaufen hat. Schade, sie hätte vielleicht etwas bewegen können.

Wer ein gutes Gedächtnis hat, erinnert sich womöglich an den Fall Martin Hohmann, der nach ähnlichem Muster verlief. Obwohl er genau das Gegenteil von dem gesagt hatte, was ein Journalist schlankweg behauptete, wurde er wegen angeblich antisemitischer Äußerungen aus der CDU ausgeschlossen. Mehrere Gerichte bestätigten im Nachhinein seine Unschuld. Trotzdem war er nicht nur als Politiker erledigt.

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Lügen haben kurze Beine? In Deutschland nicht unbedingt. Und was fällt Ihnen ein, wenn Sie den Namen Sebnitz hören? Das war doch die sächsische Stadt, in der ein kleiner ausländischer Junge vor aller Augen im Schwimmbad von rechtsradikalen Jugendlichen ertränkt worden sein soll, wie seine Mutter behauptete. Nicht nur der Sebnitzer Stadtrat, sondern auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder fiel auf diese Horrormeldung herein. Und auch viele seriöse Zeitungen, die sie ungeprüft verbreiteten und Sebnitz als Hort des Rechtsradikalismus brandmarkten. Aus Sensationslust, Hass auf alles Deutsche oder bloß Mangel an beruflicher Qualifikation? Später stellte sich heraus, dass der Junge starb, weil er einen angeborenen Herzfehler hatte.

Die Medien gingen danach nicht in sich, lernten jedenfalls wenig oder nichts aus diesem Skandal. Auch danach verfälschten sie die Wirklichkeit durch tendenziöse Wortwahl, durch Verdrehen oder simples Weglassen entscheidender Fakten oder massenhafte wortgleiche Übernahme ungeprüfter Agentur-Nachrichten.

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Schnee vor gestern? Leider nicht! Im Jahre 2010 gab es die Verleumdungskampagne gegen Thilo Sarrazin, der ein Buch mit dem Titel „Deutschland schafft sich ab“ geschrieben hatte, weil er es nicht mehr ertragen konnte, wie wir sehenden Auges in unseren Untergang rennen. Ein Patriot also. Die Folge: Eine unheilige Allianz von Medien und Politik stempelte ihn zum Rassisten und verdrängte ihn gegen Recht und Gesetz von seinem Posten bei der Bundesbank, obwohl er sich beruflich nichts hatte zuschulden kommen lassen. Man diffamierte den Autor persönlich auf gemeinste Weise, zeigte ihn wegen Fremdenfeindlichkeit an. Auch hier nur Freisprüche.

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Die meisten Kritiker hatten sein mit Statistiken gespicktes Buch übrigens nicht gelesen, auch Frau Merkel nicht, die es trotzdem als „nicht hilfreich“ bezeichnete. Das „Volk“ (auch so eine Vokabel aus dem „Wörterbuch des Unmenschen“), dieses Volk allerdings machte es zum Bestseller. Ein Ausschluss des Autors aus der SPD unterblieb freilich, so leicht lässt sie keinen Genossen fallen. Pikant jedoch die zeitgleich mit Unterstützung der Medien angezettelte Mobbing-Kampagne gegen Frau Sarrazin, die schließlich genervt ihren Beruf als Grundschullehrerin an den Nagel hängte. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Jedenfalls – es ist was faul in diesem unserem Lande! Genauer: Eine ganze Menge.

Hörer, Zuschauer und Leser werden fortwährend manipuliert. Gegner der veröffentlichten Meinung werden stummgeschaltet, weil die Medien die Deutungsmacht innehaben. Haben Sie beispielsweise jemals einen sogenannten „Klimaleugner“ erlebt, der seine wohlerwogenen Bedenken gegen die Behauptung vom menschengemachten Klimawandel vortragen durfte? Fehlanzeige! Alle beten nach, was man ihnen tagtäglich eingetrichtert hat. Weshalb lassen wir uns so hinters Licht führen? Benutzen wir unseren Verstand und nähren wir den Zweifel an dem, was man uns vorkaut.

Wie lehrt uns Bertolt Brecht, der große Dramariker und Formulierer: „Von den sicheren Dingen ist das Sicherste der Zweifel.“ Ohne ihn glaubten wir noch immer, dass die Sonne sich um die Erde dreht.

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