Wo ist nur unsere Kraft geblieben?…von Eva Herman

Frei gedacht
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von Eva Herman

Wer sein Haus auf ein marodes Fundament baut, der wird nicht lange Freude daran haben: Egal, wie teuer der Glaspalast auch ist, das Ding bricht irgendwann zusammen. Deutschland stöhnt jetzt unter dem Streik der Erzieherinnen. Diese wollen nicht mehr mit den Kindern spielen, solange nicht zehn Prozent mehr Geld gezahlt wird. Es ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Denn die Arbeit, die sie tun sollen, ist schlichtweg nicht zu stemmen. Bis zu 20 Kinder muss so manche Erzieherin alleine betreuen, nicht selten sind es sogar noch mehr. Manche der Kinder sind erst wenige Wochen alt, sie müssen gewickelt, gefüttert werden, neben den Ein-Zwei-Dreijährigen, die sich jeweils in völlig unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden und dementsprechend mit ganz unterschiedlichen Methoden gefördert werden müss­ten.

Kleine Kinder, überbordend vor Lebensfreude und Wissensdurst, wer soll es schaffen, sie zu fördern? Fördern? Die Kleinen werden heute meist aufbewahrt, man versucht sie zu beschäftigen, irgendwie, mit irgendwas. Erschöpfte, völlig überforderte Erzieherinnen geben ihr Bestes. Doch dies wäre nicht einmal gut genug für nur fünf Kinder in einer Gruppe. Denn der von Bindungsforschern empfohlene Betreuungsschlüssel liegt bei maximal drei Kindern, vorzugsweise noch in unterschiedlichen Altersgruppen, damit die Älteren sich auch einmal kurz selbst beschäftigen können, wenn ein Baby zum Beispiel gewickelt werden muss.

Aber, mal ganz ehrlich, was haben denn Babys und Kleinstkinder überhaupt in einer Fremdbetreuungsanstalt zu suchen? Gehören sie nicht vielmehr zu ihrer Mutter nach Hause? Ist es nicht alleine die Mama, die weiß, was ihr Kind gerade braucht, was ihm besonders gut täte? Wir wollen den Kita-Erzieherstreik einmal zum Nachdenken nutzen: Ist es nicht verrückt, dass die „moderne“ Zivilisation diese ganz natürliche Notwendigkeit der Mutter-Kind-Bindung inzwischen nahezu komplett leugnet, nur, um den feministischen Zielen Folge zu leisten, welche von obskuren Gestalten einst machtvoll verankert werden konnten in dieser Gesellschaft? Ist es nicht ein Wahnsinn, dass man dabei wissend in Kauf nimmt, dass tatsächlich alle an diesem merkwürdigen Spiel Beteiligten letztlich nur leiden?

Da ist die Mutter, die ihr kleines Kind allmorgendlich in fremde Hände geben soll, um so schnell wie möglich wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen. Man redet ihr ein, sie mache so Karriere, wobei tunlichst verschwiegen wird, dass auch ein Hamsterrad von innen aussieht wie eine Karriereleiter. Nicht selten sehnt sich ihr Herz den ganzen Tag über hin zu dem Kind, während dieses schreiend hinter ihr her weint. Sie überlässt es der völlig überforderten Erzieherin, und sie weiß in der Tiefe ihres Herzens, dass das Kleine weder optimal gefördert, noch geliebt werden kann: Denn das kann nur sie selbst! Warum wehrt sie sich nicht? Weil sie glaubt, dass sie alleine steht mit dieser Empfindung? Ja, das denkt sie wohl, denn die Medien sagen es schließlich fast alle, die Politiker sagen es auch, ganz viele Leute finden das inzwischen ebenso, und eine andere Meinung wird heute offiziell gar nicht mehr geduldet. Unterdessen geraten viele Mütter unter derartigen Herzens-Stress, dass sie nicht selten Burn-Outs erleiden. Über 50 Prozent sind es in Deutschland.

Dann sind da die Kinder: Wie bereits erwähnt, brauchen sie in den ersten drei, vier Lebensjahren dringend ihre Mutter. Ja, gewiss, auch den Papa, und die Oma und den Opa, die Geschwister, eben den Rest der Familie. Doch ist und bleibt es einzig die Mutter, die es stillen und so beruhigen und fördern kann, wie es dem natürlichen Bedürfnis des Kindes zugute­kommt. Aber danach fragt heutzutage schon längst kein Mensch mehr. Es interessiert auch so gut wie niemanden, dass eindeutig erwiesen ist, dass zu früh fremdbetreute Kinder weniger Selbstbewusstsein haben – übrigens für den Rest des Lebens – und dass sie krankheitsanfälliger sind – auch für den Rest des Lebens. Und so unendlich vieles mehr Wichtiges, was den Rahmen hier jedoch sprengen würde.

Dann sind da die Männer: Sie haben nichts mehr zu sagen. Längst haben sie ihre Ohren eingeknickt ob des feministischen Geheuls, haben sich nach Jahrzehnten der Beschimpfungen als Waschlappen oder gewaltbereiter Macho mit ihrem Nischendasein abgefunden, längst hegen sie keine romantischen Erwartungen mehr an die Frau, denn sie hat dafür schon alleine keine Zeit mehr, geschweige dennoch einen Sinn. Die Männer haben aufgegeben!

Und die Arbeitgeber der Frauen? Sie wissen seit Langem, dass berufstätige Mütter eine Belastung für jedes Unternehmen sind: Wenn das Kind krank ist und zu Hause bleiben muss, dann kommt auch sie später zum Dienst oder erst gar nicht. Die Fehlzeiten dieser Frauen gehen häufig ins Unermessliche, Gehaltserhöhungen kriegen sie deswegen nur selten durch, wahre Karriere machen unterdessen die Kinderlosen. Oder die Quotenfrauen. Heute sind Mütter am Arbeitsmarkt die heimlich Verpönten, weswegen immer weniger Frauen noch Kinder wollen.

Als die bundesdeutsche Politik Anfang des dritten Jahrtausends beschloss, das Land flächendeckend mit einer dreiviertel Million Kitaplätzen zu übersäen, da erhoben sich noch manche Expertenstimmen dagegen. Sie mahnten, warnten vor zahlreichen Übeln, die damit verbunden wären. Doch anstatt den Müttern die Milliarden zu geben, steckte man sie in Gleichstellungs-, Gender- und Kita-Projekte. Die Warner schweigen längst, die meisten wurden mundtot gemacht, doch alle ihre Prophezeiungen bestätigen sich: Unsere Gesellschaft gerät völlig aus den Fugen! Es liegt klar auf der Hand, nirgendwo hat dieses Wahnsinnssystem Segen gebracht. Wie auch? Es ist ja schon in der Grundstruktur vollständig falsch. Dieses System zerstört nun die Gesellschaft, es vernichtet die kleinste, wichtigste Zelle der menschlichen Gemeinschaft: die Familie. Eine Welt, in der das Wohlergehen der Kinder vorsätzlich verhindert wird, hat keine Zukunft. Eine Welt, die desillusionierte Männer hervorbringt, kann keine Kraft und Stärke mehr erlangen. Eine Welt, in der die Mutter nichts mehr wert ist außer einer billigen Arbeitskraft, wird untergehen. Eine Gesellschaft, die träge und stumpf alle diese deutlich sichtbaren Fehler erträgt, ohne Gegenwehr, ohne eigenes Wollen zum Richtigen hin, die hat es nicht besser verdient.

Unsere Welt ist zum Sterben verurteilt. Wir schauen zu, nehmen achselzuckend all die verheerenden Missstände wahr und trösten uns hinweg mit der lapidaren Aussage, dass es die „modernen“ Zeiten sind, die man nun einmal nicht mehr ändern könne. Betont man das Wort „modern“ auf der ersten Silbe, dann ist leicht erkennbar, wohin die Reise geht. Unser Glaspalast steht auf brüchigem Fundament! Der Streik der Kita-Erzieherinnen gibt uns nochmals Gelegenheit, das Falsche zu erkennen, das wir täglich willig zulassen. Mutig und kühn könnten wir die Gelegenheit nutzen, um uns und die nachfolgenden Generationen vielleicht noch zu retten. Wo bleibt die Kraft für den Umsturz, wo die Stärke, um das Ruder noch herumzureißen? Nicht einen fremden Feind haben wir zu fürchten, sondern nur unsere eigene Lauheit.

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PAZ Preussische Allgemeine

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