Der Name Bertelsmann genießt in Deutschland einen guten Ruf. Dabei steht wohl kein anderes Unternehmen so sehr für Manipulation, Desinformation, Propaganda und auch Kriegshetze.

Bertelsmann ist heute einer der größten internationalen Medienkonzerne (auf Platz 5). Die 1835 vom Buchhändler Carl Bertelsmann gegründete kleine Firma war bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein ganz normales mittelständisches Unternehmen mit nur wenigen Dutzend Angestellten.

Die geballte Medienmacht

Heute arbeiten rund 112000 Menschen für den Konzern, zu dem auch die Medienunternehmen Grüner + Jahr, die RTL-Gruppe, arvato, Be Printers und BMG Rights Management gehören.

Anders ausgedrückt: Bertelsmann kann nicht nur die Meinungsbildung in Deutschland gezielt beeinflussen, sondern hat Daten über die Bürger wie wahrscheinlich kein anderer. Das weiß allerdings kaum einer.

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Zu Bertelsmann gehören Zeitschriften wie Spiegel (25 Prozent Beteiligung), Stern und Sächsische Zeitung (60 Prozent), Capital, Brigitte, auto motor sport, Schöner Wohnen, National Geographie, Manager Magazin, Geo, Essen und Trinken, Eltern, Flora Garten, art, dogs, Neon, PM Magazin und Harvard Business Manager. Hinzu kommen die Radiosender RTL, 104,6 RTL, 105,5 Spreeradio, Hitradio RTL Sachsen, 89,0 RTL, Radio Brocken, Sachsen-Funkpaket, Radio Hamburg, Radio NRW, Antenne Bayern, Rock Antenne, Antenne Thüringen, Radio Top, Radio 21, dazu kommen indirekte Beteiligungen an Radio Regenbogen, big FM, Oldie 95 und apollo Radio. Man ahnt die Medienmacht, wenn man weiß, dass die Fernsehsender RTL, n-tv, Passion, VOX, Super RTL und RTL II ebenso dazu gehören wie die UFA-Filmproduktion und Massen von Internetauftritten wie wettende, sport, de, frauenzimmer.de, werkenntwen.de, clipfish.de und chefkoch.de.

Dazu noch Buchverlage wie Blessing, DVA, Goldmann, Heyne, Knaus, Luchterhand, Siedler – und die Machtkonzentration im Medienbereich wird auch für den Dümmsten greifbar.

Bertelsmann sammelt Bewegungsprofile bertelsmann-datenschutz2

Nun ist Meinungsfreiheit eine wichtige Voraussetzung für Demokratie. Alle Bürger müssen die Möglichkeit haben, eine Meinung auch aussprechen zu dürfen. Und unsere Medien (Fernsehen, Radio und Zeitungen oder auch das Internet) sollten ein Sprachrohr dieses Pluralismus sein, das sich an viele Menschen wendet. Doch bei näherer Betrachtung prägen einige wenige Medienkonzerne (Axel Springer, Burda, Holtzbrinck, Funke-Gruppe und eben Bertelsmann) die öffentliche Meinung im deutschsprachigen Raum.

Über die privatisierten Post- und Bahn-Dateien kontrolliert Bertelsmann damit unsere Wohnorte und Bewegungsprofile. Über die neue privatisiert verwaltete »Gesundheitskarte« dringt der Konzern noch tiefer in unsere Privatsphäre ein, und zwar in Zusammenarbeit mit Ablegern der NSA-Zulieferfirma Booz Allen Hamilton, bei welcher der spätere Whistleblower Edward Snowden einst seine Karriere startete. Was dort wirklich vor sich geht, kann man nur begreifen, wenn man sich jene Denkfabrik näher anschaut, welche unser Denken prägen soll: die Bertelsmann Stiftung.

Doch was da nach außen hin den Anschein von Wissenschaftlichkeit, Gemeinnützigkeit und Kompetenz verbreitet, ist bei näherer Betrachtung vor allem eine Propagandamaschine. 

Es geht um die Strategie zur weltweiten Eroberung neuer Absatz- und Einflussmärkte. Alle anderen Bereiche werden diesem höchsten Ziel unterworfen. Es war die Bertelsmann Stiftung, welche die EU-Osterweiterung und die NATO-Osterweiterung in den 1990er-Jahren in Arbeitspapieren vorbereitet hat – immer mit dem Ziel, in den neuen EU-Staaten des Ostens neue Absatzmärkte für die Bertelsmänner zu generieren.

Geheime Netzwerke im Hintergrund

Politiker und auch Journalisten lassen sich von Bertelsmann kaufen. Zwei Beispiele: Der CDU-Europaparlamentarier Elmar Brok steht auf der Gehaltsliste von Bertelsmann. Brok ist Europabeaufragter des Vorstandes der Bertelsmann AG und Senior Vice President Media Development. Er ist zugleich Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments.

Als Hajo Friedrich, ein freier Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kritisch über Brok und seine Bertelsmann-Verflechtung berichtete, durfte der Journalist nach einer Intervention von Brok bei FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher nicht mehr für den Politikteil der FAZ schreiben.

 Die Bertelsmann Stiftung hat es also vermocht, ein enges personelles und organisatorisches Netzwerk zu einflussreichen Personen aus Kultur, Wissenschaft und Politik bis hin zu den Bundespräsidenten zu flechten.

Bei Bertelsmann absolvierten auch die Politiker Schröder (SPD), Fischer (GRÜNE) und Merkel (CDU) pünktlich ihre Antrittsbesuche.

Bertelsmann-Chefin Liz Mohn bertelsmannund Angela Merkel sind enge Freundinnen. So ist es kein Wunder, dass Angela Merkel sich von Bertelsmann Ziele vorgeben lässt: Von der Bertelsmann Stiftung stammt die Idee eines europäischen Außenministers und sie nimmt sich auch der Militärpolitik im Sinne der Verteidigung amerikanischer »Interessen« an.

Der Bertelsmann Stiftung stehen dabei unglaubliche Finanzmittel zur Verfügung, die sie wegen ihrer Gemeinnützigkeit nicht an Steuern abführen muss und die keiner parlamentarischen Kontrolle unterliegen. Und mit diesem Finanzpolster propagiert sie Konzerninteressen.

Erarbeitet werden viele Studien, welche in den Massenmedien des Konzerns so für die Bevölkerung aufgearbeitet wurden, dass die Manipulation nicht mehr auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Dabei ist die Bertelsmann Stiftung einer der wichtigsten Akteure für die US-gesteuerte NATO-Politik in Deutschland und Europa. Denn der Grundpfeiler der politischen Ausrichtung der Bertelsmann Stiftung ist der transatlantische Brückenschlag, also eine Politik nach den Vorgaben aus den Vereinigten Staaten.

Und das ist nun einmal eine einseitige Politik entsprechend den geopolitischen Prämissen der USA-Militärstrategie, die im Zusammenhang mit der Ukraine erkennbar gegen Russland gerichtet ist. In diesem Zusammenhang kommt die Medienmacht ins Spiel: Als Propagandamaschine trichtern die Bertelsmann-Medien uns die militärpolitische Zielsetzung von Pentagon und NATO ein – zumeist subtil.

Zuweilen aber auch mit dem Vorschlaghammer, man denke nur an den Spiegel-TV: »Stoppt Putin jetzt!«

Solche Vorgaben werden bei Bertelsmann über die »Bertelsmann Forschungsgruppe Politik« des von der Stiftung finanzierten und gesteuerten Centrums für Angewandte Politikforschung (CAP) erarbeitet. CAP-Chef Professor Werner Weidenfeld war viele Jahre lang der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit.

Die Amerikaner haben eine ganz klare Vorstellung ihrer Interessenlage. (…)

Und entsprechend wird das umgesetzt. Das ist die Realität.« Der Ton wird den Bertelsmännern also in Washington vorgegeben.

Und wer nicht spurt, der wird mit Geheimdienstmaterial erpresst.

Letztlich ist der Bertelsmann-Konzern eine mediale deutsche Speerspitze der US-lnteressen.

Man sollte das im Hinterkopf haben, wenn man im Fernsehen Sender der RTL-Gruppe, Zeitschriften wie Stern oder Spiegel oder die vielen so neutral und wissenschaftlich daherkommenden Studien der Bertelsmann Stiftung betrachtet.

Der Weltkonzern Bertelsmann hat im Jahr 2013 einen Nettogewinn von immerhin 948 Millionen Euro von seinem 75,1 Prozent Anteil an der Sendergruppe RTL bezogen. Und die beim Finanzamt als gemeinnützig anerkannte Bertelsmann Stiftung besitzt mehr als drei Viertel der Bertelsmann AG.

Eine Stiftung, deren Haupteinnahmequelle ihr Geld mit gewaltverherrlichenden Sendeformaten verdient, gilt als gemeinnützig.

Das ist pervers und sollte geändert werden.

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 kopp-exklusiv 51-2014