Jedes fünfte deutsche Stadtwerk ist zahlungsunfähig. In jeder fünften deutschen Stadt werden wegen der Energiewende bald die Lichter ausgehen. Oder die Bürger zahlen noch mehr für Energie.

In der Energiewende sahen die meisten deutschen Stadtwerke eine willkommene Chance, ihre Abhängigkeit von den großen Stromkonzernen E.On, RWE und Vattenfall zu verringern. Sie wollten ihr Geschäft von der reinen Stromverteilung auf die eigene Stromerzeugung ausweiten. Vor allem der Bau teurer, aber flexibel einsetzbarer Gaskraftwerkeimg-gaskraftwerk schien attraktiv. Diese sind in der Lage, die zufällige, weil wetterabhängige Erzeugung von Wind- und Solarstrom auszugleichew.

Einer Stadt droht der Stillstand

Doch es stellte sich bald heraus, dass diese Kraftwerke wegen des Vorrangs der Einspeisung von Ökostrom oft nur auf 500 bis 1000 Betriebsstunden im Jahr kamen. Rentabel werden solche Kraftwerke aber erst ab 4000 Betriebsstunden im Jahr. So war es keine große Überraschung, als jetzt die Holding der Stadtwerke Gera AG in Thüringen Insolvenz anmelden musste. Die Insolvenz könnte auf die operativen Töchter der kommunalen Holding, insbesondere auf die aus dem Stromgeschäft quersubventionierten Verkehrsbetriebe durchschlagen.

Dann drohte der 100000 Einwohner zählenden Stadt der Stillstand. Hauptgrund für die finanzielle Schieflage der Holding war die notwendig gewordene Abschreibung von 18 Millionen Euro auf ein unrentables Gaskraftwerk. Dabei stehen die Geraer Stadtwerke nach einer gerade veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger noch nicht einmal am schlechtesten da.

Die Zeitung für kommunale Wirtschaft schreibt in der in ihrer Juli-Ausgabe veröffentlichten Zusammenfassung der Studie, von den 500 von Roland Berger auf ihre operative Effizienz überprüften deutschen Stadtwerken ständen 100 noch schlechter da als Gera.

Als besonders kritisch erscheint die Lage der nordrhein-westfälischen Kommunen, die aus historischen Gründen über ihre Stadtwerke Großaktionäre des Stromkonzerns RWE sind. Bislang waren die von RWE regelmäßig gezahlten ansehnlichen Dividenden eine feste Größe in den Haushalten dieser Kommunen. Inzwischen ist aber absehbar, dass RWE nach der bereits vorgenommenen Halbierung der Dividende in diesem Jahr und in den kommenden Jahren allenfalls noch symbolische Dividenden wird zahlen können.9b81d70f59

Denn der einstige Kraftwerksriese RWE kämpft wegen der drastisch gesunkenen Börsenpreise für Strom ums nackte Überleben. Allein die Stadt Essen hat 20 Millionen RWE-Aktien. Deren beinahe ins Bodenlose fallender Kurs machte eine Wertberichtigung notwendig, welche die Kommune um 700 Millionen Euro ärmer macht. Nicht nur den Stadtwerken, sondern der ganzen Stadt droht nun die Zahlungsunfähigkeit.

Auch bei Trianel, dem größten deutschen Stadtwerkekonsortium mit Sitz in Aachen, gibt es allen Grund zur Beunruhigung. Anfang 2013 ging die Flensburger Förde Energiegesellschaft pleite, welche sich mit ihrer Beteiligung am Trianel-Kohlekraftwerk Lünen verhoben hatte.

Trianel ist ein Zusammenschluss von mehr als 50 Stadtwerken und Regionalversorgern, an dem neben etlichen nordrhein-westfälischen Stadtwerken aus dem mittleren Ruhrgebiet, Aachen und Bonn sowie der Fuldaer RhönEnergie auch die süddeutschen Kommunalgesellschaften SWU Energie (Ulm) und die Stadtwerke von Schwäbisch Hall, Sindelfingen und Tuttlingen beteiligt sind.

Weil inzwischen selbst das hochmoderne Gaskraftwerk von Hamm-Uentrop wegen der Stromsubventionen für Ökostrom unrentabel wird, muss das Konsortium nun nach neuen Geschäftsfeldern Ausschau halten. Geplant sind beispielsweise Pumpspeicherkraftwerke in der Nähe des Rennsteigs im Thüringer Wald sowie in der Eifel.

Dabei stößt Trianel nicht nur auf den erbitterten Widerstand örtlicher Bürgerinitiativen, sondern auch auf große Zurückhaltung seitens der Finanzindustrie. Denn die Banker wissen, dass sich inzwischen selbst Investitionen in Speicheranlagen wegen des niedrigen Börsenpreises für Strom während des Spitzenbedarfs zur Mittagszeit nicht mehr lohnen.
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